Das zweite Einmaischen

Kreativ, schmackhaft und aufschlussreich – Ein Brautag mit Karsten Buroh von Eppelein & Friends

Der Prolog oder: wie kamst du eigentlich zum Brauen, Karsten?

‚Mit einem Braukurs vor ca. 7 Jahren hat alles begonnen‘, erählt mir Karsten Buroh, Brauer der Eppelein & Friends Craft Bier Manufaktur aus Nürnberg, als ich mit Ihm vor seiner Sondersud-Anlage stehe. „und seit Anfang 2015 einigermaßen professionell“. Zwei Speidel Braumeister 50 stehen vor mir, das Malz hat er bereits geschrotet, ein NEIPA soll es werden. Mit seinem ersten NEIPA (New England IPA), dem „Hazy Chick“ hatte er in der fränkischen Bierszene 2017 bereits Pionierarbeit für diesen Bierstil geleistet sagt er. „Da war ich meiner Zeit in Nürnberg voraus“. Das Bier war echt gut, wenn ich selbst mich so zurück erinnere.

Die beiden Speidel Braumeister bei der Arbeit
Die beiden Speidel Braumeister bei der Arbeit
Doppelt maischen hält besser

Aber wieder zum Thema zurück… die Braukessel laufen schon heiß, das erste Einmaischen findet gerade statt. Das erste? Ja richtig, heute wird zweimal eingemaischt. Dies geschieht, um die notwendige Stammwürze zu erreichen. „Mit dieser Anlage bekomme ich sonst alkoholstarke Biere kaum hin“, meint Karsten Buroh.

Genug Zutaten zum Brauen sind da ;-)
Genug Zutaten zum Brauen sind da 😉

Gut riecht es schon. So ähnlich muss das damals auch bei seiner ersten Brauerfahrung, damals im Braukurs geduftet haben. Jeder Teilnehmer bekam sogar einen eigenen Teil des Sudes zur Vergärung im Kühlschrank mit nach Hause, erinnert er sich. Und während wir nun vor den beiden ‚Braumeistern‘ stehen und uns sein Hop!Hop!Hop!‘ IPA, das Anfang 2015 als einer der ersten Sude bis heute mit unveränderter Rezeptur angeboten wird, schmecken lassen, kommen wir ins Gespräch:

 

Eppelein & Friends - Hop! Hop! Hop! IPA
Eppelein & Friends – Hop! Hop! Hop! IPA
inspiration, bierbewertungsportale, Kollaborationen – das interview mit karsten buroh

Woher nimmst du eigentlich die Inspiration für deine Biere und Rezepte?

Karsten sieht sich Bierstile und deren Rezepte genauer an und untersucht diese dahingehend, welche Variationen man daraus hervorzaubern, und welche Hopfensorten man außer den angegebenen alternativ noch verwenden kann, um eine besondere Note ins Bier zu bekommen. Wichtig bei all seinen Bieren ist jedoch die gute Trinkbarkeit. „Ich braue nicht für Hardcore-Hopheads“, sagt er, „weil die hierzulande immer noch eine Minderheit stellen. Biere mit 100 IBU und mehr braucht kein Mensch.“

Was denkst du über Bier-Ratingportale?

Ganz einfach: So weit es geht ignorieren, denn die zunehmende „Badge-Geilheit“ und zu subjektive Bewertungen lassen in der Regel keine seriösen Schlüsse zu. „Viele Rater sind in Wirklichkeit Jäger und Sammler, aber keine wirklichen Experten.“ Besser sind da Live-Bewertungen in Podcasts (z.B. Real Ale Guide, der größte Videoblogger der Bierszene). Wenn eine Entscheidung, ob sie gut oder schlecht ausfällt, jedoch fundiert begründet wird, so kann er sich auch mit dieser Variante anfreunden. „ich bin nicht aus Zucker und nehme fachlich fundierte  Kritik natürlich ernst“.

Wird es auch mal Brau-Kollaborationen geben?

Bestimmt, meint Karsten. Teilweise sind diese bereits vorhanden, arbeitet er doch schon seit einiger Zeit mit der Museumsbrauerei im Gewerbemuseum Kulmbach zusammen („manchen gelungenen Sud teilen wir uns dann“), teilweise sind diese noch in Planung.

„nicht zu abgespaced – das ist wichtig“

Gibt es Bierstile, die du noch brauen möchtest, aber es bisher (aus welchen Gründen auch immer) noch nicht getan hast?

Die gibt es, sagt er, allen voran einige belgische Stile wie z.B. ein Tripel oder Lambic. „Aber es gibt so viele Möglichkeiten, da fehlt einem manchmal die Zeit“.

Bier brauen braucht Zeit und Muße
Bier brauen braucht Zeit und Muße

Was macht deine Biere denn aus?

„Sie sind in der Regel gut trinkbar, nicht ganz so abgespaced, dass sie einem im Hals stecken bleiben“. Seine Biere sind halt an den Gaumen des fränkischen Bierpublikums angepasst und das soll, zumindest was die Drinkability angeht, auch so bleiben. „Sicher gibt es auch mal was Spezielles, aber wichtig ist, dass die Leute das Bier gerne trinken, und damit auch öfter“ meint er.

zukunftsaussichten und des brauers Lieblinge

Was wird man in Zukunft noch flüssiger Natur von dir hören?

Wichtig ist das „Timing“ neuer Veröffentlichungen,  z.B. die verschiedenen Jahreszeiten – und situationsbedingt sollten neue „Releases“ immer passen. Generell kann man sich auf traditionelle Bierstile freuen, die von Karsten Buroh anders interpretiert und den Gaumen der (Craft-) Bierfreunde kitzeln werden. Ein Beispiel wäre hier ein rotes Pils. Man darf gespannt sein…

Hast du ein Lieblingsbier, von dir selbst gebraut?

Eigentlich ist dies immer das aktuell Neueste. Klingt Logisch für mich, wenn so viel Herz und Ideen in ein neues Craftbeer eingeflossen sind. Saisonal gibt es freilich Vorlieben, so schmecken ihm zur Herbst- und Winterzeit die dunklen-malzigen, und wenn die Sonne sich länger wieder zeigt, die hellen fruchtigen Bierstile am Besten.

Aktuell ist, der Neuveröffentlichung vor wenigen Wochen geschuldet, übrigens der ‚Schwarze Prinz‘ sein Liebling, den ich gleich noch für Euch vorstellen werde.

Dein Lieblingsbierstil

Flexibel, der kann sich durchaus wöchentlich ändern.

Karsten Buroh, Brauer bei der Eppelein & Friends Craft Bier Manufaktur
Karsten Buroh, Brauer bei der Eppelein & Friends Craft Bier Manufaktur
„Die kreativbrauer machen einen super job“

Hast du Vorbilder in der Brauszene?

„Wenn ich nun einen nenne, den ich gut finde, ist ein anderer vielleicht beleidigt“, so Karsten. Die Entwicklung der Kreativbrauszene in Deutschland sieht er aber durchweg positiv. „Die Kreativbrauer machen einen super Job“, sagt er und fügt an, dass man sich selbst vor Enttäuschungen bewahrt, indem man sich niemand zum Vorbild nimmt. „Es kommen schließlich nicht von jedem Brauer durchgängig exzellente Biere. Auch von mir nicht. Aber meistens schütte ich das dann schon vorher weg“ grinst er.

Welches war dein erstes selbstgebrautes Bier und wie ist es dir gelungen?

Ein bernsteinfarbenes Kellerbier, welches überraschenderweise sowohl bei ihm selbst, als auch beim (freiwilligen) Testpublikum geschmacklich durchweg überzeugen konnte. Trotzdem würde er in nächster Zeit kein Kellerbier auf den Markt bringen. „Davon gibt es in Franken schon genug davon“ Er lächelt.

Könntest du dir vorstellen, mal ein stinknormales Helles oder Weizen zu brauen?

Nicht ganz, bei den Zutaten würde er immer Variationen mit einbringen, jedoch dem Bierstil stets möglichst treu bleiben, das ist ihm wichtig. Sollte es ihn mit der Kreativität überkommen und das Bier vom Stil abweichen, so würde er es klar auf dem Etikett der einzelnen Bierflasche ausweisen (z.B. ein kaltgehopftes Helles, oder einen Weizenbock mit einer speziellen Hopfenvariation).

Wie kommst du auf die Namen deiner Biere?

Meistens ganz spontan „aus der Hüfte geschossen“ (O-Ton Karsten Buroh), oft steht der Name auch bereits vor dem Rezept fest, wie zum Beispiel bei seinem ‚Camp Fire‘ Smoked Brown Lager, oder dem „Hazy Chick“, dem ersten NEIPA aus Nürnberg vom Sommer 2017. „Aber das aktuelle NEIPA wird anders heißen.“, meint er.

Wie würdest du deine neueste Kreation, den ‚Schwarzen Prinzen‘, ein Imperial Stout, beschreiben?

„Schwarz – Stark – Kräftig  – Malzig – Espresso – Bitterschokolade – gut trinkbar – Geil!“

the final countdown – schön war es!

Es folgen die Nachgüsse, „zubereitet“ in einem Glühweinerhitzer, der die Größe meines eigenen, für das Bier brauen verwendeten hat und doch ziemlich klein aussieht, neben den beiden 50 Liter Kesseln. Ist dies geschehen, entfernt Karsten die Malzeinsätze wieder um nur wenig später die für das zweite Einmaischen vorbereitete Mischung einzufüllen. Das Entfernen aus dem Braukessel erfordert schon Muskelkraft, das darf ich beim zur Hand gehen am eigenen Leib erfahren. Nicht so viel jedoch, wie beim nächsten Durchgang, meint Karsten grinsend und deutet auf die beiden größeren Einsätze auf dem Nebentisch. Nach meinem aktuellen Zustand mit nur einem Frühstücksei intus machen die verwendeten Haferflocken in der Malzmischung ganz schön hungrig, es ist ja schon nachmittags, aber sie werden ja noch fürs Bier gebraucht.

Marmelade mit Eppelein-Bier? Aber klar: Papalade... die hätte ich Morgens schon essen sollen...
Marmelade mit Eppelein-Bier? Aber klar: Papalade… die hätte ich Morgens schon essen sollen…

Meist braut Karsten seine Sondersude übrigens im manuellen Modus des Braumeisters, da hat man mehr Kontakt zum Produkt in seinen unterschiedlichen Stadien. Die größeren Bierprojekte realisiert er bei der Gasthausbrauerei Hufeisen in Pottenstein und der Brauerei des Gewerbemuseums in Kulmbach. Die Etiketten der Eppelein-Biere erfahren derzeit eine Überarbeitung. Angefangen beim neuesten Bier, dem „Schwarzen Prinzen“ über das „Hop!Hop!Hop!“ IPA sollen nach und nach alle Sorten dem neuen Stil angepasst werden.

Nachdem der 2. Einmaischprozess des New England India Pale Ale abgeschlossen ist und der Sud langsam an Temperatur gewinnt, probieren wir dann gegen Ende auch sein neues Schätzchen, den „Schwarzen Prinz“. Ein lehrreicher Brautag mit einem entspannten und unprätentiösen Brauer Karsten Buroh geht für mich zu Ende, und auf das fertige Bier bin ich jedoch jetzt schon gespannt.

 

Es folgt die Bierverkostung „Schwarzer Prinz“:

Name: Eppelein & Friends Craftbier Manufaktur – Schwarzer Prinz

Bierstil: Imperial Stout

Zutaten: Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen (Fuggles, Perle), Hefe

Alkohol: 7,3 %

IBU: ca. 30

Beschreibung des Bieres:

Eppelein & Friends - Schwarzer Prinz
Eppelein & Friends – Schwarzer Prinz

Optischer Eindruck:

Dunkel aber nicht ganz schwarz präsentiert sich das Bier im Glas, im Sonnenlicht lässt sich ein rötlicher Farbton erkennen. Der Schaum ist weiß, feinporig und relativ stabil.

Geruch:

Im Geruch bemerke ich Kaffeenoten, Bitterschokolade und fruchtige Aromen sowie leicht Minze und Toffee.

Antrunk:

Der Antrunk präsentiert sich malzbetont und kaffeearomatisch. Hinzu kommen Noten von Bitterschokolade sowie eine erfrischende Komponente. Das Bier ist mild karbonisiert und legt sich angenehm sanft auf die Zunge. Der Alkohol ist gut eingebunden, wirkt jedoch bei 7,3 Prozent wärmend auf mich ein.

Nachtrunk:

Im Nachtrunk verbleibt die Zartbitterschokoladenote mit feiner Kaffeenote und klingt dann langsam ab.

Fazit:

Ein idealer Speisebegleiter zu kräftigem Essen aber auch Desserts

 

Mehr zur Eppelein & Friends Craft Bier Manufaktur gibt es hier.

Karsten Buroh beim Brauerstammtisch, meinen Bericht findet ihr hier.

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Veröffentlicht von

Dominik

Diplom-Biersommelier und studierter Wirtschaftsinformatiker

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