Hausbrauerei Schober

Ein Brautag bei der Hausbrauerei Schober – klein aber fein!

Bier brauen live erleben, mein Brautag geht los

Mein Besuch bei der Hausbrauerei Schober war eigentlich überfällig. Schon seit ein paar Jahren schätze ich die Biere, vor allem aufgrund ihrer Süffigkeit und der Qualität. Hier macht man nichts verkehrt. Highlight für mich waren und sind natürlich die großen 1 Liter Bügelverschlussflaschen mit ihrer ganz eigenen Form. Diese wurden jedoch, dank einer neueren Abfüllanlage fast gänzlich durch die handlicheren und beim Pfand wesentlich günstigeren (1 Euro pro Flasche zu 9 Euro pro Literflasche) Halbliter Bügelflaschen getauscht.

Stefan bei der Arbeit
Stefan bei der Arbeit

Nun aber zu meinem Brautag bei Familie Schober, welcher für mich früh beginnt. Nicht früh genug jedoch wie sich herausstellt, denn der erste Sud wurde bereits eingemaischt als ich ankomme. Stefan, Sohn von Brauer Klaus Schober begrüßt mich am Braukessel, um den herum es schon gut nach Maische duftet.

Ich stehe, eingetreten durch das Garagentor, in einer kleinen aber feinen Hausbrauerei. Gebraut wird in dieser Kleinbrauerei übrigens seit über 10 Jahren. Hier gibt es von nichts zuviel aber doch von allem genug zum brauen, so würde ich es umschreiben. Zwei Braukessel, zwei Lagertanks, ein paar weitere Gefäße, ein steriler Bereich für die Anschlüsse und die Klimaanlage ist das weit geöffnete Tor und die Hintertür. Gebraut wird heute übrigens ein Rotbier.

Hier wird gebraut
Hier wird gebraut

Ein Glück ist es nicht zu warm, denke ich mir. „Das wird es auch sonst beim Brauen nicht“, erklärt mir Stefan. Alles gut also, das Rührwerk tut seinen Job und die Maische wird langsam erhitzt. Währenddessen kann ich auch ein paar Fragen loswerden.

Fragerunde, ein Überblick über Sortiment und Brau-Häufigkeit

Wieviele Biersorten braut Ihr denn?

Vier feste Stammsorten, Hopfengold, Helles, Dunkel, Rotbier und saisonal Weizen (im Sommer). Dazu kommt der ein oder andere Spezialsud mit der Bierothek in Fürth.

Wie oft wird in der Hausbrauerei Schober gebraut?

Pauschal kann man das gar nicht sagen, wenn größere Anfragen kommen oder der Biervorrat zuneige geht gerne spontan, sonst circa alle 2-3 Wochen.

Besucht Ihr Bierfeste um Eure Brauerei zu präsentieren?

Eher weniger, regional in Zirndorf gibt es Festivitäten, welche 2 mal im Jahr aufgesucht werden. Sonst nur der Schmankerlmarkt in Nürnberg am Hauptmarkt.  Für größere Bierfestivals fehlt schlicht die Kapazität um mehr zu brauen.

Ist im Winter auch mal ein Bock geplant?

Vielleicht gibt es sogar mal etwas fassgelagertes, wieder in Kollaboration mit der Bierothek, mal sehen.

Wieviel Bier braut ihr an einem Tag?

300 Liter, aufgeteilt aufgeteilt auf zwei Sude sind normal, für Sondersude weniger.

Was macht Eure Brauerei besonders?

Dass Liebe fürs Detail und das fertige Bier drin steckt, welches handwerklich gebraut wird. Das wissen leider nicht mehr alle Menschen zu schätzen.

Hopfengabe und Brauanekdoten, wer hätte das gedacht?

Mittlerweile ist auch Brauer Klaus Schober zu uns gestossen und erzählt, nachdem der Hopfen dem ersten von zwei Suden des Tages zugegeben wurde, interessante Anekdoten aus seinem (Brauer-) Leben. Familiär geteilt wird hier auf jeden Fall schon einmal die Arbeit, den ersten Sud macht heute Stefan, den zweiten Klaus.

Der Treber, welcher nach einer gewissen, sich wiederholenden, Filterung und den Nachgüssen, ausgeführt durch Stefan, abgesetzt hat, wird hier übrigens auch nicht verschwendet, sondern kommt einem regional ansässigen Bauernhof und seinen Kühen zugute.

‚Ist der Antrieb des Rührwerks da oben echt ein Scheibenwischermotor?‘, frage ich Klaus in der Hoffnung noch ein bisschen mehr darüber zu erfahren, nachdem ich zuvor bei Stefan schon auf das Teil zur Sprache gekommen war. ‚Ja klar‘, erzählt er mir, die Standardsysteme wären ihm schlichtweg total überteuert angeboten worden. Die Zahlen schwirren geradezu in meinem Kopf herum, für so viel Geld hätte sich Klaus wohl einen ganz neuen Braukessel anschaffen können. Aber er ist findig und weiß, wen man da fragen könnte. So kommt er auf einen befreundeten Ingenieur, welcher ihm nach kurzer Überlegungszeit die rettende Idee und deren Umsetzung gleich mit angedeihen lässt.

Alles in Aktion, oben links auf dem Braukessel kann man den Motor erkennen
Alles in Aktion, oben links auf dem Braukessel kann man den Motor erkennen
Der Charme steckt im Detail

Alles ist hier natürlich etwas anders als in von Grund auf fest geplanten Brauereien, hier eine ausgediente Stahlwanne, dort ein geschweißter Milchbottich, der Kühler ebenfalls in Zweitverwertung, vormals ein Milchkühler. Das hat Charme finde ich, vor allem wenn man Klaus Schober so voller Energie mit dem Equipment brauen sieht

Die Hefe hat sich Klaus von der Brauerei Kitzmann geholt, nicht jeder ist ihm so freundlich gesonnen und es gibt, trotz der geringen Größe der Brauerei von einem der größten Player der fränkischen Brauszene sogar Konkurrenzdenken, eigentlich kann sowas ja nur schmeicheln..

Die Vorderwürze wird erst erhitzt, dann abgekühlt. Mit ihr wird die Hefe dann angefüttert. Dieser Vorgang war mir neu und wird wohl auch nicht mehr so oft angewandt, erklärt er.  Ein konkretes Lieblingsbier aus seiner Brauerei hat er so konkret eigentlich gar nicht, das meistverkaufte ist aber das Hopfengold. Brautechnisch ist dieses dem Hellen gleich, jedoch wird es anschließend im Fass hopfengestopft.

Das Malz – Herkunft und Einmaischen des 2. Suds

Auch das Malz der Schober Biere kommt übrigens aus regionaler Herkunft, nämlich von der Mälzerei  Gebr. Steinbach, ebenfalls aus Zirndorf. Dass dort gut gemälzt wird konnte ich bereits vom Bahnhof aus erschnuppern.

Zwischenzeitlich wird es doch etwas nebelig, als die Würze mit dem Hopfen zusammen gekocht wird und Dampf aufsteigt, zu warm wird es aber nie!

Beim Einmaischen des zweiten Sudes bin ich dieses Mal natürlich dabei, beim Anblick des ersten Eimerchens fällt mir als erstes das Wort ‚niedlich‘ ein, das sage ich natürlich nicht laut. Aber Klaus erkennt wohl meinen Blick und weiß aufzuklären: „Das ist der kleinste von Dreien“, grinst er und sollte Recht behalten…

Einmaischen mit Klaus Schober
Einmaischen mit Klaus Schober

Abschließend muss ich mich natürlich noch gebührend mit Bier eindecken, zum Glück sind alle Sorten vorrätig und ich verabschiede mich von den Schobers und ihrer Hausbrauerei.

Mein Fazit: Klein aber oho!

 

Cheers!

 

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Veröffentlicht von

Dominik

Diplom-Biersommelier und studierter Wirtschaftsinformatiker

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