Köln – mehr als ’nur‘ Kölsch

 

„Was willst du denn in Köln, da gibt’s doch nur Kölsch?“, so die erste Reaktion einer meiner Cousins auf meinen geplanten Kurztrip in die Rheinmetropole. Ursprünglich nur als Aufenthalt aufgrund des Gewinns zweier TV-Show Karten geplant, entwickelte sich ein spannender Bierausflug in 2 Akten.

Tag 1

Schreckenskammer Kölsch – schrecklich gut?

Von der Schreckenskammer Köln hatte ich in einem Reiseführer Kölscher Kneipen gelesen, hier werde im kleinen Rahmen feines Kölsch gebraut. Da die Kammer meiner Unterkunft am nächsten gelegen war, stand meine erste Station des Tages somit fest. Und wirklich, die zugehörige Kneipe ist urgemütlich, man findet hier so manchen Fanartikel des Effzeh (1. FC Köln) an den Wänden und hinter der Theke wieder und auch das Kölsch schmeckte mir gut. Im Detail ist es goldgelb mit feinporigem stabilem Schaum. In der Nase macht sich eine gewisse Fruchtig- und Würzigkeit breit, der Antrunk fällt deutlich herb-würzig aus, während im Abgang fruchtige Noten sowie eine feine Säure mitschwingen.

Brauhaus zur Malzmühle – Mühlen Kölsch

Weiter ging es zum Brauhaus zur Malzmühle, welche das Mühlen Kölsch braut, hier gab es eine mittägliche Stärkung gleich mit dazu, der Köbes war bester Laune und auch das Bier schmeckt hier. Goldgelb mit feinporigem festen Schaum wartet es im Glas auf den ersten Schluck, die Nase wird durch eine erfrischend fruchtige Zitrusnote und Würzigkeit gekitzelt, im Mund liegt es prickelnd auf der Zunge, wirkt fruchtig und im Abgang leicht herb.

Ubierschänke – Böllbier oder Böll ist nicht gleich Böll

Die Ubierschänke, Station 3 welche ich Euch vorstellen möchte, ist eine typisch kölsche Kneipe mit schicker Bar und fast noch hübscheren Bierdeckeln. Ausgeschenkt wird hier das Böllbier, benannt nach ‚dem stadtbekannten Szenewirt Clemens Böll, der mit dem Brauerei-Gründer Günther Zabel einst das „Alcazar“ eröffnete‘ (laut Website). Dieses wird, auch hier natürlich für den Franken erstmal ungewohnt, in kompakter 0,2 Liter Bierstange serviert. Auch dieses Bier präsentiert sich im Glas goldgelb, hier verflüchtigt sich der Schaum jedoch etwas schneller als bei den bisher getesteten Bieren. In der Nase habe ich Getreide, Zitrus und fruchtige Aromen, der Antrunk ist würzig, fruchtig und beinhaltet ebenfalls Zitrusfrucht. Im Abgang lässt das Böllbier es feinherb-fruchtig ausklingen.

Hellers Brauhaus – Variantenreiche biere

Nachmittags stand das Hellers Brauhaus auf meinem Plan, hier war ich vor allem auf das unfiltrierte Kölsch gespannt, aber der Reihe nach..

Das Hellers Kölsch ist golden, glanzfein (ohne Trübung) und besitzt eine weiße feste Schaumkrone. Es riecht nach Getreide, würzig und hat Zitrusnoten, der erste Schluck gestaltet sich würzig und herb mit einem Hauch Zitrus welcher auch im Abgang noch, verbunden mit leichter Bittere, nachhallt.

Hellers Wiess, eine besondere weil unfiltrierte Version des hauseigenen Kölsch, war als nächstes an der Reihe. Beim Servieren dachte ich erst an ein Weizen, nicht zuletzt aufgrund der Darreichungsform in einem Weißbierglas. Die Trübung hätte auch gepasst, dazu eine schöne Bernsteinfarbe und ein cremiger, fein- bis mittelporiger Schaum und in der Nase Zitrus- und Grapefruitaromen. Die Spannung vor dem ersten Schluck stieg und wurde mit Getreide, Hefe, würzigen und im Vergleich zum normalen Kölsch herberen Noten beschwingt. Der Abgang wiederum fällt bei diesem Bier herb-fruchtig aus.

Zum Finale gesellte sich dann noch das Hellers Weizen ins Glas, auch dieses Bier ist bernsteinfarben, natürtrüb und der Schaum feinporig und mittelfest. Der Geruch ist eine Kombination aus fruchtigen Noten wie Pfirsich, Maracuja und Zitrusfrucht, vor dem sich auch der erste Schluck nicht verstecken braucht. Dieser wartet mit ebendiesen Pfirsich und Zitrusnoten sowie einem Touch Banane auf. Im Abgang bleibt es fruchtig mit Bananen-, Zitrus- und Trockenfruchtaromen.

Wirklich gelungene Biere gibt es also auch im Hellers Brauhaus, dem sollte meine abschließende Station des Tages auch in nichts nachstehen…

Braustelle Köln – hier wird kreativ gebraut
Braustelle Köln
Braustelle Köln

Die Braustelle Köln, hier braut Peter Esser Biere der kreativen Sorte, mit Zutaten fernab des Reinheitsgebots. Das Gute daran ist, sie schmecken auch noch sehr gut.

Probiert habe ich zwei seiner Biere, das erste war der Pink Panther, bekannt aus Funk- und Fernsehen und doch noch nie in Bierform erlebt… farblich kommt er wirklich leicht pink daher, der Schaum ist feinporig und die Nase meldet fruchtiges. So kommt der Hibiskus, mit welchem dieses Bier gebraut wurde auch im Geruch an, unterstützt wird dieser von Zitrusfruchtnoten. Der Antrunk des Bieres ist spritzig prickelnd auf der Zunge, mit fruchtigen, leicht säuerlichen Aromen, im Abgang verbleibt es fruchtig mit Zitrusnoten. Dieses Bier kann ich mir auch gut bei 30 Grad im Biergarten vorstellen.

Das Zweite aus der Braustellen-Reihe vom Fass für mich war das O’Collins Red Ale, mit einer wunderbar kastanienbraunen Färbung mit rötlichem Einstich und feinporigem cremefarbenem Schaum. Des Weiteren hat es fruchtige Noten von Trockenfrüchten und roten Beeren in der Nase. Der Antrunk ist fruchtig mit fruchtiger leichter Säure sowie leichter Bittere und dadurch ebenfalls sehr erfrischend . Das Bier beziehungsweise dessen herbe Fruchtigkeit hallt auch noch nach.

Hier muss ich definitiv wieder hin, die Taplist mit 8 Bieren vom Fass und stets neuen Kreationen schreit praktisch danach!

Tag 2

Brauhaus Päffgen

Am zweiten Tag verschlug es mich zuerst ins Brauhaus Päffgen, das Kölsch hier ist fein, goldgelbe Färbung mit feinporiger Blume (Schaumkrone). Meine Nase zeigt Zitrusfrucht, Getreide sowie würzige Noten an. Der erste Schluck bestätigt diesen Eindruck, dazu kommt noch eine deutliche Herbe sowie angenehme Würze und Fruchtigkeit. Die Herbe steigt im Abgang für mein Empfinden sogar noch etwas an, bleibt aber durch seine fruchtige Begleitung stets angenehm harmonisch.

Gaffel am Dom

Bei Gaffel am Dom fiel mir direkt die beeindruckende Zapfanlage an der Theke mit seinen kupfernen, blankpolierten Leitungen auf. Aus ihnen sprudelt das Gaffel Kölsch, mit Zitrus, einer feinen Säure und Getreide als erstem Eindruck, welchen der Geruch vermeldet. Beim Trinken kommen eben diese Getreide- und Fruchtnoten zu Tage, ergänzt durch eine würzige, feine Herbe. Im Nachhall verbleiben fruchtige sowie zitronige Aromen am Gaumen.

Pfaffen Brauerei – das etwas andere kölsch

Ein klasse Kölsch, auch oder vor allem gerade weil es etwas aus der Reihe tanzt ist übrigens das Original Pfaffen Bier der Pfaffen Brauerei. Mit seiner Bernsteinfarbe, dem feinporigen festen Schaum und dem kleinen Obstkorb an Fruchtaromen (Pfirsich, Melone) in der Nase. An seiner Seite florale, leicht würzige Noten und einem malzbetonten Antrunk, fällt es schon auf in der Kölner Brauereilandschaft. Zusätzlich wird dieser Eindruck auf der Zunge noch durch Aromen von Pfirsich, Zitrus und Gras (das auf der Wiese) unterstützt. Für manch einen ist dieses Bier zu malzig für ein Kölsch habe ich gehört, ich fand es gut.

Craftbeer Corner Coeln – beer you, beer me

Kommen wir nun zum Abschluss meines erfahrungsreichen Köln Besuches, der Craftbeer Corner Coeln. Sage und schreibe 15 Zapfhähne warten hier darauf, bezwungen zu werden. Glücklicherweise geht dies bei fast allen auch mit Tastingboards oder zu deutsch, Probierbrettchen. Hier kann man sich seine Biere nach Herzenslust zum verkosten zusammenstellen, was ich auch gerne tat.

Vorstellen möchte ich daraus kurz 3 Biere von Sebastian Sauer, Brauer der Freigeist Bierkultur, welche extra für die Corner gebraut werden. Das Veedels Wiess, eine fruchtig, würzige und im Abgang leicht herbe Kölschvariante. Dazu das Veedels Weizen mit Banane, Zitrus sowie grasigem Duft, Banane, leichter Würzigkeit und einer feinen Säure und fruchtigem Zitrusaroma im Antrunk und im Abgang weiter fein fruchtig bananig.

Das Trio komplett macht das Veedels Maggel, tropische Früchte in der Nase, dazu hopfig und Zitrusaroma. Der Antrunk ist fruchtig, prickelt auf der Zunge und hat neben der alkoholischen Wärme noch feine Zitrusnoten parat, welche auch im Abgang mitschwingen.

Sehr gut fand ich außerdem folgende Biere:

Great Divide Brewing Company – Yeti: kräftiges Stout mit Röstmalz- und Bitterschokolade Aromen

Sibeeria – Ikaros: fruchtiger (Zitrus, Birne, Pfirsich) Weizenbock aus Tschechien

Prairie Artisan Ales – Phantasmagoria: fruchtiges Double IPA mit Zitrus, Pfirsich, Maracuja und Honignoten

Übrigens ist die Craftbeer Corner derzeit auch bestens mit dem ein oder anderen Bier der Orca brau von Felix vom Endt aus Nürnberg versorgt..

Alles in allem eine wirklich schöne Bar mit tollen Bieren und freundlichem Service, auch hier bin ich sicher nicht zum letzten Mal gewesen.

Ich kann Köln abschließend also nur empfehlen, eine sehr offene und schöne Stadt mit herzlichen, aufgeschlossenen Menschen und gutem Bier, was will man mehr?

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Meinel-Bräu in Hof zur 1. Flaschengeist Open Bottle, ich bin mopsfidel!

Die Meinel Bräu in Hof hat ein neues, monatlich wiederkehrendes Event, den Flaschengeist. Hier kann man jeweils das Bier des Monats der Brauerei verkosten und bei einer Brauereiführung mehr über die Herstellung erfahren.

Foto der Meinel-Bräu in Hof von Aussen
Meinel-Bräu in Hof
Mopsfidel – Das Bier

Dieses mal, am 18. November 2017 war es das Vier-Korn-Ale Mopsfidel, welches ursprünglich im Jahre 2014 zum 1. Geburtstag der Kneipe Mops von Gostenhof aus Nürnberg gebraut und dort ausgeschenkt wurde.

Das Bier Mopsfidel der Meinel-Bräu aus Hof im Glas
Meinel Bräu Hof – Mopsfidel im Verkostungsglas

Was ist nun also ein Vier-Korn-Ale?

Wie der Name schon sagt, wurde hier mit 4 verschiedenen Körnern, sprich Malzen gebraut:

  • Gerste
  • Weizen
  • Roggen
  • Dinkel

Hinzu kommen die Hopfensorten Spalter und Mosaik, Wasser, Hefe und fertig ist der Genussmoment.

Wie es schmeckt?

Im Glas ist es naturtrüb und bernsteinfarben, der Schaum feinporig und recht stabil. In der Nase Noten von Zitrus, Grapefruit, Maracuja, ja ich meine sogar eine reife Banane wahrzunehmen. Im Antrunk präsentiert sich der Mops malzig und fruchtig, mit Zitrus, Trockenfrüchten, Grapefruit. Hinzu kommt eine leichte, harmonisch zum Gesamtbild passende Herbe, welche auch im Abgang noch gemeinsam mit Zitrus und Grapefruit nach- und langsam verhallt. Ein schönes Bier, nicht nur für den Winter finde ich.

Brauereiführung bei Meinel-Bräu, unterhaltsam und informativ

Dies war aber nur Teil eins meines Besuchs der Brauerei, denn ich wollte auch gerne mehr erfahren, sehen wo der Meinel-Gerstensaft der kreativen Köpfe, Brauerinnen Moni und Gisi Meinel-Hansen entsteht.

Also schloss ich mich der im Anschluss stattfindenden Brauereiführung an, welche uns in die verschiedenen Bereiche der Brauerei führte.

Der äußerst entspannte und bisweilen launige Ausflug durch die Brauerei startete für mich im Sudhaus. Hier erfahren wir, wie das Meinel-Bier gebraut wird. Von der Zugabe des Malzes also dem Maischen, den unterschiedlichen Erhitzungsvorgängen des Sudes, der Trennung von Würze und Malz (Läutern) bis zum Würzekochen mit Hopfengabe und der abschließenden Abkühlung.

Der zurückbleibende Treber wandert natürlich nicht in den Müll, die örtliche Gastronomie und natürlich die Schweinchen in Hof freut das, dient es doch als ‚Futter‘ für Mensch (Treberbrot, Schnitzelpanade) und Tier.

Der Hopfen, bei den Kreativbieren fast schon verschwenderisch hoch dosiert, gelangt in einem großen Magazin in den Braukessel. Der Klügere lädt nach, ist hier doch Platz für fünf verschiedene Hopfen, welche einzeln in den Sud dosiert werden können. Neben den größeren Kesseln befindet sich zudem noch eine kleinere Brauanlage (siehe Foto oben), in welcher neue Rezepturen ausprobiert werden können.

Ein gutes Bier braucht Zeit

War das schon alles? Nein!

Nachfolgend ging es zu den Gär- und Lagertanks der Brauerei. Die Hefe für die Gärung wird hier nicht nur einmal, sondern mehrmals genutzt. Auch der Lagerung gönnt man hier mehr Zeit als anderswo, es werden auch keine Kunststoff Polyvinylpolypyrrolidon (PVPP) Kügelchen zugesetzt und später mit Toleranz wieder herausfiltriert um die Haltbarkeit zu steigern, ein Glück!

Filtriert wird das Bier trotzdem, hier durch Kieselgur also Urgestein, welches die restliche Hefe aus dem fertigen Erzeugnis filtert, damit in der Flasche keine ungewollte Nachgärung und einhergehende Geschmacksveränderung auftritt. Den unfiltrierten Zwickl gibt es bei Meinel nur vom Fass. Die Haltbarkeit der Meinel-Biere ist dennoch kürzer als bei bekannten Fernsehbieren, es wird eben nicht künstlich eingegriffen um diese zu verlängern, was ich sehr sehr positiv finde.

Eine insgesamt wirklich gelungene Veranstaltung ging dann in der Flaschenabfüllung zu Ende, abschließend gab es Weißwürste zur Verpflegung, es soll mit Sicherheit nicht mein letzter Besuch gewesen sein. Prost!

Mehr über die Meinel-Bräu unter: http://www.meinel-braeu.de/

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