Hanscraft & Co. – Brauerinterview und 2 neue Biere, die unterschiedlicher nicht sein könnten!

Christian Hans müller im interview
Christian Hans Müller im Interview
Christian Hans Müller im Interview

Vor kurzem hatte ich die Ehre, im Büro von Christian Hans Müller ein Interview mit ihm zu führen. Dabei geht es um aktuelle Biere, die Vergangenheit aber vor allem die Zukunft seiner Hanscraft & Co. Brauerei in Niedernberg.

 

deine ersten brauversuche?

Lieber Christian, du hast in Deinem Leben schon einiges gebraut, doch welches war Dein erstes Selbstgebrautes und wie hat es denn geschmeckt?

Das war im Jahr 1996 ein ganz normales Helles. Das Rezept dafür habe ich in einem Buch über Bier in Deutschland in der Rubrik „Selber machen“ gefunden und mit 2 Freunden nachgebraut. Am Ende ist es irgendwie kein Bier geworden und die beiden anderen hatten dann auch keinen Bock mehr aufs Brauen. Ich aber schon, auf der Suche nach möglichen Fehlern beim letzten Versuch und besseren Rezepten habe ich mir weitere Literatur beschafft, für die Herstellung in kleinem Rahmen

 

die gegenwart – was schmeckt und gefällt dir besonders

Was ist denn dein Lieblingsbier von Dir selbst gebraut?

Das ist Tagesform-abhängig. Ich habe da unterschiedliche Favoriten. Vom Single Hop als Wegbier bis hin zum Bayerisch Nizza und dem Backbone Splitter im Glas. Generell bin ich, wenn ich etwas Neues gebraut habe, am aktuellen Bier am meisten interessiert und genieße diese Biere dann sehr gerne.

Hast du einen Lieblingshopfen?

Das kann man pauschal nicht sagen. Ich bin immer sehr an neuen Hopfensorten interessiert. Speziell neue deutsche Hopfenzüchtungen, wie der Hüll Melon mit dem wir schon öfter gebraut haben, machen mir Freude. Gerade die heimischen neuen Hopfen werden auch in Zukunft bei mir eine große Rolle spielen, natürlich verwende ich auch internationale Hopfensorten gerne. Spannend ist hier unter anderem die Sorte Cashmere.

Welche Besonderheiten zeichnen deine beiden neuen Biere „Vintage 2019“ und „Immaculata – Wheat Pale Ale alkoholfrei“ aus?

Beim Imperial Stout Vintage 2019 haben wir unser Black Nizza 11 Monate in einem von Portwein und einem anderen von Weinbrand vorbelegten Fässer reifen lassen. Dabei nimmt das Bier nicht nur Farbe und Fassnoten auf, sondern steigert durch die Spirituosen auch seinen Alkoholgehalt etwas.

Danach haben wir beide Biere miteinander verschnitten und 3 Wochen vor Ende der Reifephase mit Vanilleschoten gestopft.

Sommelieren für den Weltfrieden
Sommelieren für den Weltfrieden

Beim Immaculata haben wir herum experimentiert, bis die richtige Menge Earl Grey Tee ermittelt war. Das Bier sollte seinen Geschmack zwar annehmen, diesen aber nicht zu dominant und überlagernd wiedergeben. Es hat ein paar Versuche gebraucht bis die perfekte Balance zwischen Tee und Bier gefunden war, nun sind wir sehr zufrieden damit. Übrigens war der Hopfen hier nicht das Teuerste am Bier, der Bio Earl Grey Tee aus dem Teeladen war es! Wenn ich noch fahren muss ist das nun mein Favorit unter meinen Bieren.

Nachbarschaftliche beziehungen

Wie kommst du mit den mittelständischen und großen Brauereien in deiner Gegend aus?

Mit ein paar sehr gut. Es gibt aber auch eine gewisse Feindseligkeit, die ich bei anderen teilweise spüre. Man wird skeptisch betrachtet als Craft-Brauerei und mitunter negativ oder als Konkurrenz gesehen.

Dabei braust du doch eigentlich ganz andere Biere, als die ‚Konkurrenz‘ dies tut…

Das stimmt, man käme sich gar nicht ins Gehege und es gäbe ein friedliches Miteinander. Wir als Hanscraft sind für eine harmonische Nachbarschaft in der Region und so sind wir auch auf alle Brauereien zugetreten. Leider nicht immer mit entsprechend positivem Echo.

 

Die zukunft – was gibt es bald neues?

Wird es in Zukunft noch mehr fassgereifte Biere von Dir geben?

Frei nach der Devise „Nach dem Vintage ist vor dem Vintage“ wird es immer zur späteren Jahreszeit etwas Fassgereiftes von mir geben. Das muss jedoch nicht heißen, dass es immer ein Stout ist. Ich kann mir durchaus auch einen hellen Bock gut vorstellen oder einen Weizenbock.

Wie steht es bei Dir mit deiner eigenen Brauerei und einem Taproom in Niedernberg, gibt es schon Neuigkeiten?

Wir sind dran wie immer schon. Weiter als je zuvor!

Wird es in Zukunft denn auch mal ein normales Helles oder Weizen geben?

Na klar, eine Brauerei mit Gastronomie ist dafür da, um von vielen Leuten aus der Gegend besucht zu werden. Das Bier sollte, neben unseren Spezialsorten, die es selbstverständlich auch dort geben wird, den Menschen aus der Umgebung schmecken. Ein gutes Weizen fehlt mir hier sowieso in der Gegend. Ich liebe Weizen und ich kann und werde das auch brauen.

Viele Tore habe ich nicht erzielen können
Viele Tore habe ich nicht erzielen können

Es bleibt spannend… und wo wir grade beim Thema sind… hier erfahrt Ihr wie mir die beiden Neuen von Hanscraft & Co. geschmeckt haben:

 

Die bier reviews

Hanscraft & Co. – Vintage 2019 Oak Aged Imperial Stout

Bierstil: Imperial Stout

Zutaten: Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Roggenmalz, Hafermalz, Hopfen (Chinook), Hefe

Alkohol: 10,5 %

IBU: o.A.

Beschreibung des Bieres:

Hanscraft - Vintage 2019, ein besonderer Genuss
Hanscraft – Vintage 2019, ein besonderer Genuss

Optischer Eindruck:

Das Vintage 2019 fließt sanft, kaum aufschäumend, ins Glas. Seine zarte Schaumschicht ist cremefarben und instabil, sie haftet schön am Glas. Das Highlight ist natürlich die tolle nachtschwarze Farbe des Imperial Stouts, die bereits seine innere Stärke ankündigt.

Geruch:

Der Duft lässt sich mit unterschiedlichen Eindrücken beschreiben. Intensive Röstmalz- und Bitterschokoladearomen sind mir sehr präsent und machen bereits Lust auf mehr! Spannend sind auch die Einflüsse, welche die Fasslagerung in den unterschiedlich belegten Fässern, dem Bier zusätzlich an Aromatik verschaffen konnten.

Das Bier wurde ja zum einen Teil in Weinbrand- der andere Teil im Portweinfass gelagert. Das kommt auch schön im Geruch durch, man kann die sich im Verschnitt beider Biere ergebenden Aromen von Portwein und Weinbrand einzeln differenziert wahrnehmen, sehr aufregend! Vanillenoten ergänzen das Spektrum ansprechend und so langsam wird es echt Zeit für den ersten Schluck…

Antrunk:

Geschmeidig, fein moussierend und weich, jedoch in seiner Aromenstärke hochintensiv,  so strömt das Vintage über die Zunge. Sofort setzen sich deutliche und sehr intensive Aromen von Röstmalz und auch Bitterschokolade frei und harmonieren perfekt.

Was mich auch begeistert sind die Holzfassnoten von Weinbrand und Portwein. Christian beschreibt es als eine Symphonie, dem ich nicht widersprechen kann. Beinahe orchestral wirken die unterschiedlichen Geschmäcker und Eindrücke aufeinander abgestimmt und im Einklang.

Der den Körper angenehm wärmende Alkoholgehalt von 10,5 Prozent ist für die Jahreszeit gern gesehen, Bier kann nicht nur Herzen erwärmen. Die Vanille wirkt wie der sanft Einfluss nehmende Dirigent, der sich hier und da pointiert einschaltet ohne sich aus seinem Ensemble in den Vordergrund spielen zu wollen.

Hanscraft - Vintage 2019 im Glas
Hanscraft – Vintage 2019 im Glas

Nachtrunk:

Auch der Abgang des neuesten Vintage Imperial Stout 2019 wirkt ebenso intensiv kakaoaromatisch und röstmalzig wie sein Antrunk. Die Vanille zeigt sich auch dort und wirkt mit Fassnoten des Bieres in einem stimmigen Gesamtbild der Aromen. Ein Bier, welches noch lange nachhält und seine Eindrücke am Gaumen hinterlässt. Richtig gut!

 

von 10,5 prozent alkohol auf 0,4… das gibts doch gar nicht? gibt es doch!

 

Hanscraft & Co. – Immaculata Wheat Pale Ale Alkoholfrei

Bierstil: Pale Ale

Zutaten: Wasser, Malz (Weizenmalz, Pilsenermalz, Carahell),  Hopfen (Citra), Earl Grey, Hefe

Alkohol: 0,4 %

IBU: o.A.

Beschreibung des Bieres:

Hanscraft & Co. - Immaculata Wheat Pale Ale Alkoholfrei im Glas
Hanscraft & Co. – Immaculata Wheat Pale Ale Alkoholfrei im Glas

Optischer Eindruck:

Golden bei natürlicher deutlicher Trübung und mit einer stattlichen, weißen Schaumkrone, welche am Glas haftet. So ist der erste schmackhafte optische Eindruck, den das alkoholfreie Immaculata Wheat Pale Ale auf mich macht.

Geruch:

In der Nase sammeln sich zitrusfrische und sehr belebende und erfrischender Tee-Duft. Dazu die kräuterige und nicht zu stark hervortretende Bergamotte, welche durch den Einsatz des Earl Grey Tees beim Brauen ins Bier gebracht wurde.

Antrunk:

Dann mein erster Schluck. Prickelnd und wirklich erfrischend, mit feiner Earl Grey Aromatik und dem damit verbundenen Anklang von Bergamotte, so anregend fließt das Pale Ale über die Zunge. Die Tee- und Zitrusaromatik kann mich begeistern und lässt von der Präsenz der Geschmäcker nichts vermissen.

Brew with a View
Brew with a View

Nachtrunk:

Auch der Nachhall ist ebenso durch Earl Grey – und Zitrusnoten durchzogen und büßt keinen Deut der Leichtigkeit des Bieres ein. Nicht nur für Autofahrer, welche nicht auf den Biergenuss verzichten wollen ist das Immaculata eine tolle Alternative. Nein, auch für sommerliche Stunden als stilvoller Ersatz für so manches plump süßes Erfrischungsgetränk wenn die Wärme sich wieder einmal zu sehr ausbreitet.

Ein Bier, bei dem ich den Alkohol nicht vermisse, leicht, fruchtig, erfrischend. Das macht Lust auf mindestens ein weiteres, der Alkohol steigt einem hier ja nicht zu Kopf. Probieren lohnt sich!

Die beiden feinen neuen Hanscraft Biere vereint
Die beiden feinen neuen Hanscraft Biere vereint

Danke für die leckeren Biere und das Interview lieber Christian und eine entspannte Weihnachtszeit und guten Rutsch an dich und an alle Leser meines Blogs.

Lasst Euch ein gutes Bier schmecken, mit Hanscraft seid ihr definitiv auf der sicheren Seite.

 

Die Website von Hanscraft & Co. findet Ihr hier.

Auch Christian hat mich interviewt, dieses Interview könnt Ihr hier lesen.

Meinen letzten Bericht zu Hanscraft findet Ihr hier.

 

Frohe Weihnachten mit gutem Bier, was will man mehr?
Frohe Weihnachten mit gutem Bier, was will man mehr?
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Hanscraft & Co. macht Ernst: Bohemia vs. Yakima, ein hopfiges Match!

Oh hoppy Day – Tschechien vs. USA

Heute teste ich im neuesten Hopfen-Match das Double Dry Hopped Pale Ale Bohemia Crown mit den tschechischen Hopfensorten Kazbek und Sladek mit seinem stilgleichen Vertreter Yakima River und den US-Hopfen Simcoe, Mosaic und Citra von der Partie.

Wenn sich Hopfen verschiedener Länder duellieren ist das immer eine aufregende Sache. Hanscraft aus Niedernberg ist darin bereits erprobt und hat bereits deutschen und amerikanischen Hopfen in einer Split Decision (hier nachzulesen) gegeneinander antreten lassen.

Ein Aufeinandertreffen aus dem oberen Regal der Aromen, aber lest gerne selbst von meinen Eindrücken der unterschiedlich gehopften Pale Ales.

Let the games begin…
Hanscraft & Co. – Bohemia Crown DDH Pale ale

Bierstil: Pale Ale

Zutaten: Wasser, Malz (Pilsener, Wiener, Weizen, Hafer), Hopfen (Kazbek, Sladek), Hefe

Alkohol: 6,3  %

IBU: o.A.

Beschreibung des Bieres:

Optischer Eindruck:

Hanscraft & Co. – Bohemia Crown und Yakima River im Glas

Deutliche natürliche Trübung im Glas, sein Schaum ist fein bis mittelporig und thront äußerst stabil über dem Bier. Die Farbe des Bohemia Crown ist ein leuchtend helles gelbgold und der Schaum ist weiß wie Schnee.

Geruch:

Direkt zu Beginn fällt das schöne zitrusfruchtige Aroma des Bieres auf, welches sich mit floralen und leicht würzigen Anklängen bestens versteht. Diese Düfte ergeben gemeinsam ein stimmiges Zusammenspiel. Unterstützt werden sie durch eine erdige Komponente, welche zum vielfältigen Profil des Bohemia beiträgt.

Antrunk:

Weich fließt das Bier über die Zunge, fein moussierend prickelt es nur sanft aber dennoch anregend. Zitrusfrüchte sind in Form von Orange und Zitrus die Akteure mit der meisten Spielzeit in diesem Duell der (Hopfen-)Länder Tschechien gegen USA. Abgerundet wird der Trunk durch leicht erdige und während des Genusses intensiver hervortretende honigsüße Anklänge. Diese werfen sich mutig in die Geschmacks-Partie im Mund und harmonieren sogleich mit ihren Mitspielern.

Nachtrunk:

Hanscraft & Co. – Yakima River DDH Pale Ale vor blumigem Hintergrund

Diese spannende Komposition aus Orange, Zitrus, Honig und würzig-erdigen Komponenten ist eine, die sich bis zum Abgang hält und den Gaumen auch noch nachhaltig beschäftigt.

 

 

Hanscraft & Co. – Yakima River DDH Pale ale

Bierstil: Pale Ale

Zutaten: Wasser, Malz (Pilsener, Wiener, Weizen, Hafer), Hopfen (Simcoe, Mosaic, Citra), Hefe

Alkohol: 6,3  %

IBU: o.A.

Beschreibung des Bieres:

Optischer Eindruck:

Ein würdiges Duell – Tschechien vs. USA… Bohemia vs. Yakima

Golden und klarer in seiner Optik, so präsentiert sich das Yakima River im Glas. Sein Schaum ist weiß, feinporig und relativ stabil.

Geruch:

Hallelujah, das knallt! So ist mein erster Eindruck, nachdem ich die erste Nase des Bieres genommen habe. Tropische Früchte treten mir in einer Intensität entgegen, der schwerlich zu widerstehen ist.

Hier ist von Grapefruit über Mango und Limette bis Maracuja ein buntes Treiben im Duft festzustellen. Bei genauerer ‚Untersuchung‘ fallen auch florale und erdige Zwischentöne auf.

Antrunk:

Der Antrunk kommt hier spritziger daher, es prickelt intensiver aber dennoch nicht aufdringlich auf der Zunge. Ein komplexes Aromenfeuerwerk entfaltet sich. Dieses wird durch Grapefruit und waldige Aromen (Kiefer, leicht harzig), sowie tropische Fruchtnoten von Mango und Maracuja befeuert. Die verschiedenen Geschmackseindrücke geben ihr Bestes um den Biergeniesser und dessen Sinne zu betören.

 

Nachtrunk:

Hanscraft & Co. – Bohemia Crown DDH Pale Ale vor blumigem Hintergrund

Hinten heraus kommt zur tropischen Fruchtigkeit noch eine knackige Bitternote hinzu, welche für mich das Trinkerlebnis als Gegenspieler zu eben dieser tropischen Atmosphäre rund und vollkommen macht.

 

Fazit:

Beide Kontrahenten haben auf dem Platz alles gegeben und schenken sich nichts. Auf der einen Seite der unaufgeregt fruchtige Tscheche Bohemia, welcher die leisen Töne außerordentlich gut spielt und sich durch eben diese lang in Erinnerung bringt.

Auf der anderen Seite der Ami, landestypisch etwas mehr ‚in your Face‘, tropisch, intensiv, mit einem bitteren Finale.

Welcher hier nun am besten abschneidet, das bleibt im Endeffekt Euch überlassen. Für mich ist es um Haaresbreite und in der Verlängerung der tschechische Hopfenvertreter, da ich finde die Aromen seiner beiden Hopfensorten harmonieren wunderbar und sie stechen ihre Gegner ganz knapp aus. Ich habe beide Biere sehr genossen, weil jedes für sich seine Stärken hat. Chapeau und Cheers!

So knapp wie sie nebeneinander stehen, so war die Entscheidung auch im Finale

 

Die Biere kaufen könnt Ihr übrigens genau hier.

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