Hanscraft & Co. – Brauerinterview und 2 neue Biere, die unterschiedlicher nicht sein könnten!

Christian Hans müller im interview
Christian Hans Müller im Interview
Christian Hans Müller im Interview

Vor kurzem hatte ich die Ehre, im Büro von Christian Hans Müller ein Interview mit ihm zu führen. Dabei geht es um aktuelle Biere, die Vergangenheit aber vor allem die Zukunft seiner Hanscraft & Co. Brauerei in Niedernberg.

 

deine ersten brauversuche?

Lieber Christian, du hast in Deinem Leben schon einiges gebraut, doch welches war Dein erstes Selbstgebrautes und wie hat es denn geschmeckt?

Das war im Jahr 1996 ein ganz normales Helles. Das Rezept dafür habe ich in einem Buch über Bier in Deutschland in der Rubrik „Selber machen“ gefunden und mit 2 Freunden nachgebraut. Am Ende ist es irgendwie kein Bier geworden und die beiden anderen hatten dann auch keinen Bock mehr aufs Brauen. Ich aber schon, auf der Suche nach möglichen Fehlern beim letzten Versuch und besseren Rezepten habe ich mir weitere Literatur beschafft, für die Herstellung in kleinem Rahmen

 

die gegenwart – was schmeckt und gefällt dir besonders

Was ist denn dein Lieblingsbier von Dir selbst gebraut?

Das ist Tagesform-abhängig. Ich habe da unterschiedliche Favoriten. Vom Single Hop als Wegbier bis hin zum Bayerisch Nizza und dem Backbone Splitter im Glas. Generell bin ich, wenn ich etwas Neues gebraut habe, am aktuellen Bier am meisten interessiert und genieße diese Biere dann sehr gerne.

Hast du einen Lieblingshopfen?

Das kann man pauschal nicht sagen. Ich bin immer sehr an neuen Hopfensorten interessiert. Speziell neue deutsche Hopfenzüchtungen, wie der Hüll Melon mit dem wir schon öfter gebraut haben, machen mir Freude. Gerade die heimischen neuen Hopfen werden auch in Zukunft bei mir eine große Rolle spielen, natürlich verwende ich auch internationale Hopfensorten gerne. Spannend ist hier unter anderem die Sorte Cashmere.

Welche Besonderheiten zeichnen deine beiden neuen Biere „Vintage 2019“ und „Immaculata – Wheat Pale Ale alkoholfrei“ aus?

Beim Imperial Stout Vintage 2019 haben wir unser Black Nizza 11 Monate in einem von Portwein und einem anderen von Weinbrand vorbelegten Fässer reifen lassen. Dabei nimmt das Bier nicht nur Farbe und Fassnoten auf, sondern steigert durch die Spirituosen auch seinen Alkoholgehalt etwas.

Danach haben wir beide Biere miteinander verschnitten und 3 Wochen vor Ende der Reifephase mit Vanilleschoten gestopft.

Sommelieren für den Weltfrieden
Sommelieren für den Weltfrieden

Beim Immaculata haben wir herum experimentiert, bis die richtige Menge Earl Grey Tee ermittelt war. Das Bier sollte seinen Geschmack zwar annehmen, diesen aber nicht zu dominant und überlagernd wiedergeben. Es hat ein paar Versuche gebraucht bis die perfekte Balance zwischen Tee und Bier gefunden war, nun sind wir sehr zufrieden damit. Übrigens war der Hopfen hier nicht das Teuerste am Bier, der Bio Earl Grey Tee aus dem Teeladen war es! Wenn ich noch fahren muss ist das nun mein Favorit unter meinen Bieren.

Nachbarschaftliche beziehungen

Wie kommst du mit den mittelständischen und großen Brauereien in deiner Gegend aus?

Mit ein paar sehr gut. Es gibt aber auch eine gewisse Feindseligkeit, die ich bei anderen teilweise spüre. Man wird skeptisch betrachtet als Craft-Brauerei und mitunter negativ oder als Konkurrenz gesehen.

Dabei braust du doch eigentlich ganz andere Biere, als die ‚Konkurrenz‘ dies tut…

Das stimmt, man käme sich gar nicht ins Gehege und es gäbe ein friedliches Miteinander. Wir als Hanscraft sind für eine harmonische Nachbarschaft in der Region und so sind wir auch auf alle Brauereien zugetreten. Leider nicht immer mit entsprechend positivem Echo.

 

Die zukunft – was gibt es bald neues?

Wird es in Zukunft noch mehr fassgereifte Biere von Dir geben?

Frei nach der Devise „Nach dem Vintage ist vor dem Vintage“ wird es immer zur späteren Jahreszeit etwas Fassgereiftes von mir geben. Das muss jedoch nicht heißen, dass es immer ein Stout ist. Ich kann mir durchaus auch einen hellen Bock gut vorstellen oder einen Weizenbock.

Wie steht es bei Dir mit deiner eigenen Brauerei und einem Taproom in Niedernberg, gibt es schon Neuigkeiten?

Wir sind dran wie immer schon. Weiter als je zuvor!

Wird es in Zukunft denn auch mal ein normales Helles oder Weizen geben?

Na klar, eine Brauerei mit Gastronomie ist dafür da, um von vielen Leuten aus der Gegend besucht zu werden. Das Bier sollte, neben unseren Spezialsorten, die es selbstverständlich auch dort geben wird, den Menschen aus der Umgebung schmecken. Ein gutes Weizen fehlt mir hier sowieso in der Gegend. Ich liebe Weizen und ich kann und werde das auch brauen.

Viele Tore habe ich nicht erzielen können
Viele Tore habe ich nicht erzielen können

Es bleibt spannend… und wo wir grade beim Thema sind… hier erfahrt Ihr wie mir die beiden Neuen von Hanscraft & Co. geschmeckt haben:

 

Die bier reviews

Hanscraft & Co. – Vintage 2019 Oak Aged Imperial Stout

Bierstil: Imperial Stout

Zutaten: Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Roggenmalz, Hafermalz, Hopfen (Chinook), Hefe

Alkohol: 10,5 %

IBU: o.A.

Beschreibung des Bieres:

Hanscraft - Vintage 2019, ein besonderer Genuss
Hanscraft – Vintage 2019, ein besonderer Genuss

Optischer Eindruck:

Das Vintage 2019 fließt sanft, kaum aufschäumend, ins Glas. Seine zarte Schaumschicht ist cremefarben und instabil, sie haftet schön am Glas. Das Highlight ist natürlich die tolle nachtschwarze Farbe des Imperial Stouts, die bereits seine innere Stärke ankündigt.

Geruch:

Der Duft lässt sich mit unterschiedlichen Eindrücken beschreiben. Intensive Röstmalz- und Bitterschokoladearomen sind mir sehr präsent und machen bereits Lust auf mehr! Spannend sind auch die Einflüsse, welche die Fasslagerung in den unterschiedlich belegten Fässern, dem Bier zusätzlich an Aromatik verschaffen konnten.

Das Bier wurde ja zum einen Teil in Weinbrand- der andere Teil im Portweinfass gelagert. Das kommt auch schön im Geruch durch, man kann die sich im Verschnitt beider Biere ergebenden Aromen von Portwein und Weinbrand einzeln differenziert wahrnehmen, sehr aufregend! Vanillenoten ergänzen das Spektrum ansprechend und so langsam wird es echt Zeit für den ersten Schluck…

Antrunk:

Geschmeidig, fein moussierend und weich, jedoch in seiner Aromenstärke hochintensiv,  so strömt das Vintage über die Zunge. Sofort setzen sich deutliche und sehr intensive Aromen von Röstmalz und auch Bitterschokolade frei und harmonieren perfekt.

Was mich auch begeistert sind die Holzfassnoten von Weinbrand und Portwein. Christian beschreibt es als eine Symphonie, dem ich nicht widersprechen kann. Beinahe orchestral wirken die unterschiedlichen Geschmäcker und Eindrücke aufeinander abgestimmt und im Einklang.

Der den Körper angenehm wärmende Alkoholgehalt von 10,5 Prozent ist für die Jahreszeit gern gesehen, Bier kann nicht nur Herzen erwärmen. Die Vanille wirkt wie der sanft Einfluss nehmende Dirigent, der sich hier und da pointiert einschaltet ohne sich aus seinem Ensemble in den Vordergrund spielen zu wollen.

Hanscraft - Vintage 2019 im Glas
Hanscraft – Vintage 2019 im Glas

Nachtrunk:

Auch der Abgang des neuesten Vintage Imperial Stout 2019 wirkt ebenso intensiv kakaoaromatisch und röstmalzig wie sein Antrunk. Die Vanille zeigt sich auch dort und wirkt mit Fassnoten des Bieres in einem stimmigen Gesamtbild der Aromen. Ein Bier, welches noch lange nachhält und seine Eindrücke am Gaumen hinterlässt. Richtig gut!

 

von 10,5 prozent alkohol auf 0,4… das gibts doch gar nicht? gibt es doch!

 

Hanscraft & Co. – Immaculata Wheat Pale Ale Alkoholfrei

Bierstil: Pale Ale

Zutaten: Wasser, Malz (Weizenmalz, Pilsenermalz, Carahell),  Hopfen (Citra), Earl Grey, Hefe

Alkohol: 0,4 %

IBU: o.A.

Beschreibung des Bieres:

Hanscraft & Co. - Immaculata Wheat Pale Ale Alkoholfrei im Glas
Hanscraft & Co. – Immaculata Wheat Pale Ale Alkoholfrei im Glas

Optischer Eindruck:

Golden bei natürlicher deutlicher Trübung und mit einer stattlichen, weißen Schaumkrone, welche am Glas haftet. So ist der erste schmackhafte optische Eindruck, den das alkoholfreie Immaculata Wheat Pale Ale auf mich macht.

Geruch:

In der Nase sammeln sich zitrusfrische und sehr belebende und erfrischender Tee-Duft. Dazu die kräuterige und nicht zu stark hervortretende Bergamotte, welche durch den Einsatz des Earl Grey Tees beim Brauen ins Bier gebracht wurde.

Antrunk:

Dann mein erster Schluck. Prickelnd und wirklich erfrischend, mit feiner Earl Grey Aromatik und dem damit verbundenen Anklang von Bergamotte, so anregend fließt das Pale Ale über die Zunge. Die Tee- und Zitrusaromatik kann mich begeistern und lässt von der Präsenz der Geschmäcker nichts vermissen.

Brew with a View
Brew with a View

Nachtrunk:

Auch der Nachhall ist ebenso durch Earl Grey – und Zitrusnoten durchzogen und büßt keinen Deut der Leichtigkeit des Bieres ein. Nicht nur für Autofahrer, welche nicht auf den Biergenuss verzichten wollen ist das Immaculata eine tolle Alternative. Nein, auch für sommerliche Stunden als stilvoller Ersatz für so manches plump süßes Erfrischungsgetränk wenn die Wärme sich wieder einmal zu sehr ausbreitet.

Ein Bier, bei dem ich den Alkohol nicht vermisse, leicht, fruchtig, erfrischend. Das macht Lust auf mindestens ein weiteres, der Alkohol steigt einem hier ja nicht zu Kopf. Probieren lohnt sich!

Die beiden feinen neuen Hanscraft Biere vereint
Die beiden feinen neuen Hanscraft Biere vereint

Danke für die leckeren Biere und das Interview lieber Christian und eine entspannte Weihnachtszeit und guten Rutsch an dich und an alle Leser meines Blogs.

Lasst Euch ein gutes Bier schmecken, mit Hanscraft seid ihr definitiv auf der sicheren Seite.

 

Die Website von Hanscraft & Co. findet Ihr hier.

Auch Christian hat mich interviewt, dieses Interview könnt Ihr hier lesen.

Meinen letzten Bericht zu Hanscraft findet Ihr hier.

 

Frohe Weihnachten mit gutem Bier, was will man mehr?
Frohe Weihnachten mit gutem Bier, was will man mehr?
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Grenzerfahrungen im Bierreich, mein Besuch bei Schorschbräu

SOMMER IN FRANKEN – EIN GUTER TAG UM SCHORSCHBRÄU ZU BESUCHEN

Am Mittwoch letzter Woche war ich zu Besuch bei Schorschbräu in Gunzenhausen, Nähe des Altmühlsees. Die Temperaturen haben ihr Tageshoch von 32 Grad erreicht als ich um 15:30 Uhr ankomme. Zeit für einen erfrischenden Schorschbock 57, nicht wahr?

Schorschbräu - eine Brauerei mit internationaler Anhängerschaft
Schorschbräu – eine Brauerei mit internationaler Anhängerschaft

Georg Tscheuschner begrüßt mich herzlich und führt mich durch seine Brauerei. Angefangen bei den Holzfässern, die wie Schätze vor den Gär- und Lagertanks thronen. Allesamt sind sie belegt mit Bieren in unterschiedlichen Fassreifestadien. Schon ein sehr beeindruckendes Bild, finde ich, hier fühle ich mich als Bierfreund direkt wohl. Hier wird einigen seiner Biere der letzte Feinschliff verpasst, lagern sie doch ein halbes bis ganze 3 Jahre hier.

Die Treppenstufen zum Brauerglück
Die Treppenstufen zum Brauerglück
IMMER DEN ÜBERBLICK BEHALTEN, für schorsch kein problem

Die ersten Eindrücke sind noch nicht ganz verarbeitet, da geht es schon weiter auf seine, ich nenne sie mal liebevoll, „Braukanzel“. Hier hat man einen guten Überblick über die gesamte Anlage und in seine, zu diesem Zeitpunkt, leeren Braukessel. Alles ist in einem Verarbeitungskreislauf aufgebaut, von der Rohstoffanlieferung bis zur Treber-Entsorgung und der Abholung seiner Biere. Hier sind die Arbeitswege so kurz wie möglich angelegt. Schorsch muss kurz ans Telefon und ich darf die Zeit für Fotos nutzen. Trotz der doch relativ großen Hitze draußen und nicht eingeschalteter Belüftung herrschen doch angenehme Temperaturen hier oben bemerke ich.

gut bier will verköstigt werden, das world’s strongest lager vom fass!

Als Georg kurz darauf wieder zurückkehrt, geht unsere Reise direkt weiter zu den Lagerplätzen für Malz und seine fertigen Biere, sowie zur Abfüllung und Kühlung. Sie endet, stilecht, bei den Gär- und Lagertanks. Hier wird auch nicht gezögert, sondern direkt sein neuestes Baby, der 16-prozentige, eichenfassgereifte Bock (World‘s strongest Lager) gezwickelt. Eine, der Entnahme aus dem Tank geschuldete, kräftige Schaumkrone entwickelt sich, ebbt jedoch auch bald wieder ab und wir stossen an…

Wow, die Temperatur liegt laut Schorsch bei circa 20 Grad und das gibt den Aromen nochmal eine ganz eigene Intensität. Die Eiche ist deutlich wahrzunehmen, hinzu kommen Noten von Sherry, Frucht und Malz, der Antrunk hat eine ölige sanfte Konsistenz und auch hier ist deutlich die Eichenaromatik zu erschmecken, mit Anklängen von Trockenfrüchten und einer süßlichen Malznote, sogar feine Röstaromen kann ich erschmecken. Klasse!

 

fachsimpeln unter bier-Liebhabern

Um etwas mehr Ruhe zu haben bittet mich Georg dann in die ‚Brauerei-Küche‘, hier kommen wir ins Gespräch und es wurde nie langweilig…doch lest selbst:

In seiner bisherigen Brauer-Karriere hatte er teilweise mit hohen Hürden zu kämpfen, sowohl was die Akzeptanz als auch die langfristige Planungssicherheit seiner Brauerei angeht. Diese konnte er nur durch entsprechendes Durchhaltevermögen, Willen und auch entsprechenden Ehrgeiz überwinden.

Seit einiger Zeit hat sich Schorsch den Traum von einem eigenen Brauereigebäude erfüllt und mit diesen neuen Räumlichkeiten, in denen wir uns gerade befinden, auch expandiert. Eine Erlebnisgastronomie, wie es sie beispielsweise in Bayreuth oder Berlin gibt, strebt er jedoch nicht an. Dies würde, auch im heutigen Konzept seiner Brauerei, deutliche bauliche Veränderungen nach sich ziehen. Nein, Schorsch bleibt bei seinem Kerngeschäft: außergewöhnliche Biere zu brauen.

schorschbräu – international anerkannt und beliebt

Medienwirksame Inszenierungen sind ebenfalls nicht sein Ding, obgleich natürlich solch Aufmerksamkeit wichtig für die gesamte Craftbeerbranche sei, erzählt er mir.

Kunden hat Schorschbräu übrigens nicht nur in Deutschland, nein auch im fernere Ausland wie der USA, China, Vietnam, Spanien oder gar Australien sind seine Biere sehr gefragt.

Der Blick fürs Wesentliche - von der "Braukanzel" sieht man gut die Gär- und Lagertanks
Der Blick fürs Wesentliche – von der „Braukanzel“ sieht man gut die Gär- und Lagertanks
direkt – ehrlich – herzlich – so empfinde ich den georg

Ich erlebe Georg als einen direkten, ehrlichen und sehr herzlichen Menschen, mit dem es Freude macht sich zu unterhalten und dabei gemeinsam ein Bier zu trinken.

Direkt und ehrlich ist zum Beispiel seine Meinung über ein paar alteingesessene Brauer, welche die Craftbeerszene stets mit Argwohn betrachten und sich kritisch dazu äußern. Jedoch müsse gerade dort auch auf moderne, gut zu reinigende Brautechnik gesetzt werden ohne (zu) lange an alten Gerätschaften festzuhalten. Tradition und Moderne mit festen Standard- und, so seine Idee, abwechselnden Monatsbieren wie sie beispielsweise die Brauerei Zwanzger braut müsse sich ja nicht ausschließen.

Herzlich kommt Georg ganz besonders bei seinen schmunzelnd vorgetragenen Anekdoten aus seiner Brauerkarriere rüber. Das er heute darüber lachen kann, dass ihm beispielsweise beim ersten Versuch sein stärkstes Bier der Welt (57 Prozent Alkohol) zu brauen gut ein Drittel des 55-prozentigen Ursprungssudes beim Einfrieren verloren gingen, spricht für ihn.

bier trinken heisst geniessen

Wichtig ist ihm, dass Bier verantwortungsvoll getrunken wird, der Fokus sollte immer auf dem Genuss liegen. Vor allem vor Alkohol in der Schwangerschaft und überhaupt in Fällen, bei denen Unschuldige durch eigenes Fehlverhalten in Gefahr gebracht werden können, hält Schorsch gar nichts. Das wird auch plakativ auf seiner Homepage durch Warnhinweise deutlich.

Achja, ein paar Fragen hatte ich ja auch noch vorbereitet und auch dafür war noch Zeit:

KLEINE FRAGESTUNDE – GEORG ‚SCHORSCH‘ TSCHEUSCHNER IM INTERVIEW
WARUM BIER BRAUEN UND WARUM SO STARKES?

Wie bist Du zum Brauen gekommen?

Ursprünglich wollte Georg Chemie und Sport studieren, jedoch war ihm das in der Schule vor Heften und Büchern sitzen zu langweilig. Ein Kumpel las ihm dann begeistert aus einer Studienbroschüre vor, man könne „saufen studieren“. Gemeint war das Studium zum Diplom-Braumeister in Weihenstephan.

Wie kamst Du allgemein auf die Idee, solch starke Biere zu brauen?

Ebenfalls trägt hier ein Kumpel Mitschuld. Es Begann mit einer kleinen Wette, wie stark man denn wohl Bier brauen könne, wenn man dies auf herkömmliche Art und Weise ohne zusätzliche Tricks macht.

Ein weiterer Grund für den Entschluss, sagt Georg, ist der Wunsch mit besonderen Bieren raus aus der Region zu kommen, also überregional anbieten zu können und sich von anderen in Qualität und Preis zu differenzieren.

Die Stärke seiner Biere sieht er auch als Alleinstellungsmerkmal, zudem hat es ihn einfach sehr interessiert, Grenzen auszuloten und diese vielleicht sogar hier und da zu überschreiten.

 

INSBIERATION?

Woher nimmst Du die Inspiration für Deine Biere?

Georg möchte forschen und erforschen, Gewohnheit soll möglichst nie einkehren und so denkt er sich immer neue Möglichkeiten und Rezepte für neue Kreationen aus. Inspiration findet er oft auch im Alltag, beispielsweise beim Genuss von Rosinenwein, welcher ihn zu noch höheren Stammwürzen inspiriert hat.

Hast Du Vorbilder in der Brauszene?

Nein, jedoch respektiert er einige Kollegen für gleichbleibende Qualität auf einem hohen Level.

 

PERSÖNLICHE BIERVORLIEBEN UND VERTRÄGLICHKEIT

Welches ist Dein Lieblingsbier von Dir selbst?

Derzeit ist es der 16-prozentige, eichenfassgereifte, Bock.

Wie viel von Deinem Bier verträgst du?

Da Schorsch generell eher der Geniessertyp ist, kann diese Frage auch nicht ganz eindeutig beantwortet werden. Eine gute Zeit hat er auf jeden Fall nach dem Genuss einer 40ml Flasche seines Schorschbock 57 oder einer Flasche 13-prozentigem (Eis-)Bock.

Schorschbock ICE 13 % (Bildquelle: schorschbraeu.de)
Schorschbock ICE 13 % (Bildquelle: schorschbraeu.de)
‚LEICHTBIER‘ VON SCHORSCHBRÄU?

Könntest Du dir auch vorstellen, vom Alkoholgehalt her gemäßigtere Biere zu brauen?

Bis zum Jahre 2006 hat Schorsch das so praktiziert, erst erschien ein Helles, dann ein Dunkles, später noch ein Weizen. Nun jedoch gilt seine volle Aufmerksamkeit, Kreativität und der kostbare Platz in der Brauerei den starken Schorschbräu-Bieren.

Sind Bier-Bewertungsportale für dich wichtig?

Schorschbräu braut selektives Bier das polarisiert und nicht jedermann gleichermaßen anspricht. Deshalb kann er derartige Bewertungen schwer werten, gleichwohl können diese, insofern sie schlecht sind, für eine Brauerei schädlich sein.

BESONDERHEITEN, ANTRIEB, ZUKUNFT

Was macht Deine Biere (neben dem starken Alkoholgehalt) besonders?

Das sie nach dem Reinheitsgebot gebraut sind, darauf ist er auch wirklich stolz. Nicht dass er ein Reinheitsgebotsverfechter wäre , aber die Einschränkung macht die Rekorde erst interessant.

Ist der Ehrgeiz da, ein noch stärkeres Bier als Deinen Schorschbock 57 zu brauen?

Die Veranlagung dazu, ihm gestellte Grenzen weiter auszureizen ist immer da, das wird auch in Zukunft so sein, also ja!

Was kann man in Zukunft noch von Dir erwarten?

Das SPA (Schorsch Pale Ale), gebraut am 20./21.02.18 mit 36° Plato , hellem Gerstenmalz, etwas Sauermalz, Spalter Select Hopfen, 3 Monate Gärung im Edelstahltank und abschließender Lagerung in amerikanischen Weißeiche-Fässern. Erscheinen wird dieses Bier ungefähr im Juni 2019.

Schorschbräu - starke Biere, starker Typ!
Schorschbräu – starke Biere, starker Typ!

Die Stammwürze bei neuen Kreationen möchte Georg in Zukunft auch über 36° Plato treiben. Man darf gespannt sein!

 

DER ABSCHLUSS EINES SCHÖNEN TAGES WIRD HOCHPROZENTIG

Abschließend war sogar noch Gelegenheit, den Weltrekord Schorschbock 57 zu probieren, in seiner Intensität in der Nase und am Gaumen unübertroffen, den stelle ich Euch beizeiten natürlich im Detail vor! Dann gab es noch ein paar feine Biergeschenke von Schorsch und mit vielen interessanten Eindrücken trat ich meine Heimreise an. Es war ein sehr kurzweiliger, unterhaltsamer und schöner Nachmittag. Auf bald!

 

Danke Georg! (Mit im Bild: Schorsch Pale Ale)
Danke Georg! (Mit im Bild: Schorsch Pale Ale, noch in der Fassreifung)

 

Mehr über Schorschbräu gibt es übrigens hier.

 

Einen kleinen Artikel von meinem Besuch bei der Drinktec und am Schorschbräu-Stand findet Ihr hier.

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Zu Besuch bei Oliver Wesseloh, Inside Kehrwieder Kreativbrauerei

Oliver Wesseloh, Brauer bei der Kehrwieder Kreativbrauerei und seineszeichens erster Biersommelier Weltmeister, ist ein vielbeschäftigter Mann. Gerade deshalb bin ich froh, dass er sich für mich und ein lockeres Gespräch bei Wasser und (selbstgebrautem) Kaffee Zeit genommen hat. Seid also gespannt was er über Themen aus dem Craftbeer Markt im Allgemeinen und seiner Brauerei im Speziellen zu sagen hatte…

Woher bekommst Du denn die Ideen bezüglich der Namen deiner Biere?

Die kommen in der Regel durch den direkten Bezug zum Bier, dort gewesen sein muss Olli dafür nicht. Die Skagen Sanddorn Gose zum Beispiel trägt ihren Namen, weil Skagen der Ort ist, an dem die Nordsee und die Ostsee ineinander fließen. Ja und was wäre für ein Bier, welches aus Zutaten von der Ostsee, hier kommt der Sanddorn her und der Nordsee, das Salz stammt von der Sylter Meersalzmanufaktur, wohl ein besserer Name als eben dieser Ort? Richtig, keiner!

Parma, das Rauch IPA erhält seinen Namen von der beliebten Geschmackskombination Schinken und Melone, hier wurde dem rauchigen Bier bei der Lagerung Hüll Melon Hopfen zugegeben, eine perfekte Kombination.

Bei der Elbe Gose schließlich, wurde Oliver beim Namen des Flüsschens Gose, welcher durch Goslar, den Ursprungsort der Gose, fließt inspiriert und benannte sie nach, na? Genau, dem ‚Flüsschen‘ Elbe, welches sich durch Hamburg zieht.

Kehrwieder Kreativbrauerei Braukessel
Kehrwieder Kreativbrauerei Braukessel
Wie sind deine Gedanken zu Bierfesten?

Nun, da bringt Olli wirklich interessante Konzepte ins Spiel, meist kommen diese aus dem Ausland wie Italien oder Skandinavien. Sie beinhalten zum Beispiel den Kauf der Biere durch den Veranstalter und die Anwesenheit der Brauer lediglich zum Ausschank und zur Beantwortung von Besucherfragen, was den Brauern selbst entsprechende Sicherheiten geben würde. Eine andere Variante ist es, einen festen Eintrittsbetrag zu erheben und den Besuchern für einen Zeitraum die Möglichkeit zu geben, alle Biere der jeweiligen Veranstaltung zu probieren. Klingt logisch für mich.

Allgemein ist der Charakter eines Straßenfestes, also einer offenen Veranstaltung bei der man Brauer, Atmosphäre und Biere sozusagen vor Bezahlung schon in freier Wildbahn erleben kann ein guter Ansatz, findet Oliver. Anschließend würde man dann z.B. für das Verkostungsglas und entsprechende Probiergrößen zahlen. Gerade die Laufkundschaft entfalle bei geschlossenen Veranstaltungen mit Eintritt fast vollkommen, auch das leuchtet mir ein.

Beliebte Bierfeste bei Oliver sind zum Beispiel die Lingener Bierkultur, die Lange Nacht der Brauereien in München oder eben das Straßenfest mit Craftbeer-Bezug um die Ecke.

Die Kollaboration Old Skool mit Sierra Nevada

Oliver und Scott Jennings, Brauer bei Sierra Nevada kennen sich schon eine lange Zeit, genauergesagt seit Scotts Studium an der VLB in Berlin, bei welchem man als internationaler Brauer die Möglichkeit hat, sich das Brauwesen aus deutscher Sicht mit Abschluss als „Certified Brewmaster“ lehren zu lassen. Daraus entstand eine Freundschaft, auch und gerade weil Oliver stets offen für ein gutes Gespräch und regen Erfahrungsaustausch mit gleichgesinnten ist und diese Offenheit bei Scott richtig gut ankam. Danach verlor man sich, berufsbedingt, erst einmal aus den Augen, doch traf sich durch Zufall wieder in der Sierra Nevada Brewery, wo Scott nun erster Braumeister ist und Olli zu dem Zeitpunkt im Vertrieb eines großen Anlagenherstellers beschäftigt war. Die Harmonie stimmte immernoch zwischen den beiden und so beschloss man, gemeinsam ein Bier zu brauen, auf die alte Freundschaft, Old Skool eben!

 

Die Kollaboration mit Birra Amarcord „Doppelbock A“

Die Welt ist klein, die Gemeinschaft der Craftbeer Brauer auf der Welt kennt sich und wenn nicht, dann kennt man eben jemanden der jemanden kennt, ganz einfach. So kam es auch zur Kollaboration mit Birra Amarcord aus Italien, einem eichenholzfassgereiften Doppelbock. Dieser reift in Rotweinfässern bis zur Perfektion und wird dann in sehr edle Flaschen abgefüllt. Vom wirklichen Endpreis des Produktes war dann selbst Olli etwas überrascht, jedoch ist auch für dieses Bier genug Interesse von deutschen Bierfreunden gegeben, sodass am Ende beide Seiten sehr zufrieden sein können.

 

Hast Du eigentlich ein Lieblingsbier aus deiner Brauerei?

Ich glaube, die Frage hört Olli nicht zum ersten Mal und dennoch musste ich sie stellen. ‚Ganz klar situations- bzw. jahreszeitbedingt‘ lautet seine Antwort. Im Winter darf es gerne mal ein dunkel und stark sein, zum Beispiel sein Imperial Black Prototyp gebraut mit denselben Zutaten wie das normale Prototyp, allerdings mit dunklem Malz. Dieses Bier gibt es jährlich zum Prototyp Geburtstag, dem Jubiläum seines ersten Prototyp-Bieres, als eine Sonderedition. Sonst darf es auch gerne mal eine Skagen Sanddorn Gose oder das überNormalNull, ein alkoholfreies IPA mit Hefe gebraut, welche Malzzucker nicht zu Alkohol vergären kann. Das geht immer sagt er.

 

Der Hamburger Senatsbock

Mittlerweile wurde ein Verein zur Erhaltung dieser Tradition gegründet. Ein Traum von Oliver, so verrät er mir, ist das eines Tages jede private Brauerei Hamburgs beim großen Senatsbockanstich ihre eigene Variante vorstellen kann. Dieses Jahr waren es bereits 3 verschiedene Editionen, er ist also zufrieden mit der Entwicklung. Seine Variante, die Franzböckchen Edition, ist angelehnt an das norddeutsche Kultgebäck ‚Franzbrötchen‘ und wurde von ihm und seinem befreundeten Biersommelierkollegen Reini Schenkemaier aus Österreich gebraut. Verfeinert wurde das Bier beim Brauvorgang durch von Reini mitgebrachte Kakaonibs aus der Zotter Schokoladenmanufaktur. Das Zusammenspiel aus Schokolade und Röstaromen findet Olli sehr spannend, natürlich hab ich mir da gleich eine Flasche aus Hamburg mitgenommen… Übrigens ist auch die Schokoladenmanufaktur sehr zu empfehlen meint er, wenn man bei all den Probiermöglichkeiten bei der Führung durch das Schokoparadies keine Angst vor einem Schokoladen-Fresskoma hat.

 

Craftbeer im Supermarkt

Findet Oliver generell gut, man müsse nur richtig über die Biere informieren. Diese Informationen findet er, müssen dann aber auch und gerade vom Brauer selbst kommen. Möglich sei dies zum Beispiel durch Flyer, QR-Codes auf den Flaschen oder kurzen und prägnanten Informationen zum Geschmack direkt am Verkaufsregal angebracht.

 

Untappd oder RateBeer?

RateBeer, da man hier noch gefordert sei, schriftlich zu begründen, warum einem das Bier nun miss- oder gefällt. Die reine Bewertung bei Untappd ist da weniger aussagekräftig und da stimme ich auch mit ihm überein. Problem ist natürlich, dass auch kurze negative Bewertungen bei Untappd zu negativen Kaufentscheidungen so manches Kunden führen können.

 

Der Verein Deutsche Kreativbrauer e.V.

Ist für gewerbliche Brauer gedacht, welche nicht in Konzernhand sind und kreativ brauen. Der erste Gemeinschaftssud hat Olli wie auch mir übrigens sehr gut geschmeckt, obwohl Kümmel aus purer Absicht nichts in seinem täglich (Abend-)Brot zu suchen hat. Weitere Sude sind derzeit bereits in Planung, man überlege sogar 2 Biere pro Jahr zu brauen. Natürlich geht mehr eben und natürlich werden dies auch jeweils unterschiedliche Biere sein.

Kehrwieder Kreativbrauerei Braukessel
Kehrwieder Kreativbrauerei Braukessel
Die eigene Brauerei

…stösst schon an ihre, bei Bezug noch nicht für möglich gehaltenen, Kapazitätsgrenzen und so muss teilweise schon zum Brauen nach Nittenau ausgewichen werden. Doch ich denke mal das wird Oliver verkraften können, heisst es doch nur dass er mit seinen Bieren den Geschmack der Menschen trifft und das auf eine wunderbar kreative Art und Weise.

Oliver Wesseloh und ich vor den Lager- und Gärtanks
Oliver Wesseloh und ich vor den Lager- und Gärtanks

Ein Besuch bei Oliver lohnt sich also immer, jeden Freitag beispielsweise ist Lagerverkauf von 10-18 Uhr. Dankbar bin ich für die Zeit, die Olli sich für mich genommen hat, obwohl an diesem Tag wieder seine Skagen Sanddorn Gose gebraut wurde. Ich jedenfalls kehre also bestimmt wieder… Cheers!

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