Grenzerfahrungen im Bierreich, mein Besuch bei Schorschbräu

SOMMER IN FRANKEN – EIN GUTER TAG UM SCHORSCHBRÄU ZU BESUCHEN

Am Mittwoch letzter Woche war ich zu Besuch bei Schorschbräu in Gunzenhausen, Nähe des Altmühlsees. Die Temperaturen haben ihr Tageshoch von 32 Grad erreicht als ich um 15:30 Uhr ankomme. Zeit für einen erfrischenden Schorschbock 57, nicht wahr?

Schorschbräu - eine Brauerei mit internationaler Anhängerschaft
Schorschbräu – eine Brauerei mit internationaler Anhängerschaft

Georg Tscheuschner begrüßt mich herzlich und führt mich durch seine Brauerei. Angefangen bei den Holzfässern, die wie Schätze vor den Gär- und Lagertanks thronen. Allesamt sind sie belegt mit Bieren in unterschiedlichen Fassreifestadien. Schon ein sehr beeindruckendes Bild, finde ich, hier fühle ich mich als Bierfreund direkt wohl. Hier wird einigen seiner Biere der letzte Feinschliff verpasst, lagern sie doch ein halbes bis ganze 3 Jahre hier.

Die Treppenstufen zum Brauerglück
Die Treppenstufen zum Brauerglück
IMMER DEN ÜBERBLICK BEHALTEN, für schorsch kein problem

Die ersten Eindrücke sind noch nicht ganz verarbeitet, da geht es schon weiter auf seine, ich nenne sie mal liebevoll, „Braukanzel“. Hier hat man einen guten Überblick über die gesamte Anlage und in seine, zu diesem Zeitpunkt, leeren Braukessel. Alles ist in einem Verarbeitungskreislauf aufgebaut, von der Rohstoffanlieferung bis zur Treber-Entsorgung und der Abholung seiner Biere. Hier sind die Arbeitswege so kurz wie möglich angelegt. Schorsch muss kurz ans Telefon und ich darf die Zeit für Fotos nutzen. Trotz der doch relativ großen Hitze draußen und nicht eingeschalteter Belüftung herrschen doch angenehme Temperaturen hier oben bemerke ich.

gut bier will verköstigt werden, das world’s strongest lager vom fass!

Als Georg kurz darauf wieder zurückkehrt, geht unsere Reise direkt weiter zu den Lagerplätzen für Malz und seine fertigen Biere, sowie zur Abfüllung und Kühlung. Sie endet, stilecht, bei den Gär- und Lagertanks. Hier wird auch nicht gezögert, sondern direkt sein neuestes Baby, der 16-prozentige, eichenfassgereifte Bock (World‘s strongest Lager) gezwickelt. Eine, der Entnahme aus dem Tank geschuldete, kräftige Schaumkrone entwickelt sich, ebbt jedoch auch bald wieder ab und wir stossen an…

Wow, die Temperatur liegt laut Schorsch bei circa 20 Grad und das gibt den Aromen nochmal eine ganz eigene Intensität. Die Eiche ist deutlich wahrzunehmen, hinzu kommen Noten von Sherry, Frucht und Malz, der Antrunk hat eine ölige sanfte Konsistenz und auch hier ist deutlich die Eichenaromatik zu erschmecken, mit Anklängen von Trockenfrüchten und einer süßlichen Malznote, sogar feine Röstaromen kann ich erschmecken. Klasse!

 

fachsimpeln unter bier-Liebhabern

Um etwas mehr Ruhe zu haben bittet mich Georg dann in die ‚Brauerei-Küche‘, hier kommen wir ins Gespräch und es wurde nie langweilig…doch lest selbst:

In seiner bisherigen Brauer-Karriere hatte er teilweise mit hohen Hürden zu kämpfen, sowohl was die Akzeptanz als auch die langfristige Planungssicherheit seiner Brauerei angeht. Diese konnte er nur durch entsprechendes Durchhaltevermögen, Willen und auch entsprechenden Ehrgeiz überwinden.

Seit einiger Zeit hat sich Schorsch den Traum von einem eigenen Brauereigebäude erfüllt und mit diesen neuen Räumlichkeiten, in denen wir uns gerade befinden, auch expandiert. Eine Erlebnisgastronomie, wie es sie beispielsweise in Bayreuth oder Berlin gibt, strebt er jedoch nicht an. Dies würde, auch im heutigen Konzept seiner Brauerei, deutliche bauliche Veränderungen nach sich ziehen. Nein, Schorsch bleibt bei seinem Kerngeschäft: außergewöhnliche Biere zu brauen.

schorschbräu – international anerkannt und beliebt

Medienwirksame Inszenierungen sind ebenfalls nicht sein Ding, obgleich natürlich solch Aufmerksamkeit wichtig für die gesamte Craftbeerbranche sei, erzählt er mir.

Kunden hat Schorschbräu übrigens nicht nur in Deutschland, nein auch im fernere Ausland wie der USA, China, Vietnam, Spanien oder gar Australien sind seine Biere sehr gefragt.

Der Blick fürs Wesentliche - von der "Braukanzel" sieht man gut die Gär- und Lagertanks
Der Blick fürs Wesentliche – von der „Braukanzel“ sieht man gut die Gär- und Lagertanks
direkt – ehrlich – herzlich – so empfinde ich den georg

Ich erlebe Georg als einen direkten, ehrlichen und sehr herzlichen Menschen, mit dem es Freude macht sich zu unterhalten und dabei gemeinsam ein Bier zu trinken.

Direkt und ehrlich ist zum Beispiel seine Meinung über ein paar alteingesessene Brauer, welche die Craftbeerszene stets mit Argwohn betrachten und sich kritisch dazu äußern. Jedoch müsse gerade dort auch auf moderne, gut zu reinigende Brautechnik gesetzt werden ohne (zu) lange an alten Gerätschaften festzuhalten. Tradition und Moderne mit festen Standard- und, so seine Idee, abwechselnden Monatsbieren wie sie beispielsweise die Brauerei Zwanzger braut müsse sich ja nicht ausschließen.

Herzlich kommt Georg ganz besonders bei seinen schmunzelnd vorgetragenen Anekdoten aus seiner Brauerkarriere rüber. Das er heute darüber lachen kann, dass ihm beispielsweise beim ersten Versuch sein stärkstes Bier der Welt (57 Prozent Alkohol) zu brauen gut ein Drittel des 55-prozentigen Ursprungssudes beim Einfrieren verloren gingen, spricht für ihn.

bier trinken heisst geniessen

Wichtig ist ihm, dass Bier verantwortungsvoll getrunken wird, der Fokus sollte immer auf dem Genuss liegen. Vor allem vor Alkohol in der Schwangerschaft und überhaupt in Fällen, bei denen Unschuldige durch eigenes Fehlverhalten in Gefahr gebracht werden können, hält Schorsch gar nichts. Das wird auch plakativ auf seiner Homepage durch Warnhinweise deutlich.

Achja, ein paar Fragen hatte ich ja auch noch vorbereitet und auch dafür war noch Zeit:

KLEINE FRAGESTUNDE – GEORG ‚SCHORSCH‘ TSCHEUSCHNER IM INTERVIEW
WARUM BIER BRAUEN UND WARUM SO STARKES?

Wie bist Du zum Brauen gekommen?

Ursprünglich wollte Georg Chemie und Sport studieren, jedoch war ihm das in der Schule vor Heften und Büchern sitzen zu langweilig. Ein Kumpel las ihm dann begeistert aus einer Studienbroschüre vor, man könne „saufen studieren“. Gemeint war das Studium zum Diplom-Braumeister in Weihenstephan.

Wie kamst Du allgemein auf die Idee, solch starke Biere zu brauen?

Ebenfalls trägt hier ein Kumpel Mitschuld. Es Begann mit einer kleinen Wette, wie stark man denn wohl Bier brauen könne, wenn man dies auf herkömmliche Art und Weise ohne zusätzliche Tricks macht.

Ein weiterer Grund für den Entschluss, sagt Georg, ist der Wunsch mit besonderen Bieren raus aus der Region zu kommen, also überregional anbieten zu können und sich von anderen in Qualität und Preis zu differenzieren.

Die Stärke seiner Biere sieht er auch als Alleinstellungsmerkmal, zudem hat es ihn einfach sehr interessiert, Grenzen auszuloten und diese vielleicht sogar hier und da zu überschreiten.

 

INSBIERATION?

Woher nimmst Du die Inspiration für Deine Biere?

Georg möchte forschen und erforschen, Gewohnheit soll möglichst nie einkehren und so denkt er sich immer neue Möglichkeiten und Rezepte für neue Kreationen aus. Inspiration findet er oft auch im Alltag, beispielsweise beim Genuss von Rosinenwein, welcher ihn zu noch höheren Stammwürzen inspiriert hat.

Hast Du Vorbilder in der Brauszene?

Nein, jedoch respektiert er einige Kollegen für gleichbleibende Qualität auf einem hohen Level.

 

PERSÖNLICHE BIERVORLIEBEN UND VERTRÄGLICHKEIT

Welches ist Dein Lieblingsbier von Dir selbst?

Derzeit ist es der 16-prozentige, eichenfassgereifte, Bock.

Wie viel von Deinem Bier verträgst du?

Da Schorsch generell eher der Geniessertyp ist, kann diese Frage auch nicht ganz eindeutig beantwortet werden. Eine gute Zeit hat er auf jeden Fall nach dem Genuss einer 40ml Flasche seines Schorschbock 57 oder einer Flasche 13-prozentigem (Eis-)Bock.

Schorschbock ICE 13 % (Bildquelle: schorschbraeu.de)
Schorschbock ICE 13 % (Bildquelle: schorschbraeu.de)
‚LEICHTBIER‘ VON SCHORSCHBRÄU?

Könntest Du dir auch vorstellen, vom Alkoholgehalt her gemäßigtere Biere zu brauen?

Bis zum Jahre 2006 hat Schorsch das so praktiziert, erst erschien ein Helles, dann ein Dunkles, später noch ein Weizen. Nun jedoch gilt seine volle Aufmerksamkeit, Kreativität und der kostbare Platz in der Brauerei den starken Schorschbräu-Bieren.

Sind Bier-Bewertungsportale für dich wichtig?

Schorschbräu braut selektives Bier das polarisiert und nicht jedermann gleichermaßen anspricht. Deshalb kann er derartige Bewertungen schwer werten, gleichwohl können diese, insofern sie schlecht sind, für eine Brauerei schädlich sein.

BESONDERHEITEN, ANTRIEB, ZUKUNFT

Was macht Deine Biere (neben dem starken Alkoholgehalt) besonders?

Das sie nach dem Reinheitsgebot gebraut sind, darauf ist er auch wirklich stolz. Nicht dass er ein Reinheitsgebotsverfechter wäre , aber die Einschränkung macht die Rekorde erst interessant.

Ist der Ehrgeiz da, ein noch stärkeres Bier als Deinen Schorschbock 57 zu brauen?

Die Veranlagung dazu, ihm gestellte Grenzen weiter auszureizen ist immer da, das wird auch in Zukunft so sein, also ja!

Was kann man in Zukunft noch von Dir erwarten?

Das SPA (Schorsch Pale Ale), gebraut am 20./21.02.18 mit 36° Plato , hellem Gerstenmalz, etwas Sauermalz, Spalter Select Hopfen, 3 Monate Gärung im Edelstahltank und abschließender Lagerung in amerikanischen Weißeiche-Fässern. Erscheinen wird dieses Bier ungefähr im Juni 2019.

Schorschbräu - starke Biere, starker Typ!
Schorschbräu – starke Biere, starker Typ!

Die Stammwürze bei neuen Kreationen möchte Georg in Zukunft auch über 36° Plato treiben. Man darf gespannt sein!

 

DER ABSCHLUSS EINES SCHÖNEN TAGES WIRD HOCHPROZENTIG

Abschließend war sogar noch Gelegenheit, den Weltrekord Schorschbock 57 zu probieren, in seiner Intensität in der Nase und am Gaumen unübertroffen, den stelle ich Euch beizeiten natürlich im Detail vor! Dann gab es noch ein paar feine Biergeschenke von Schorsch und mit vielen interessanten Eindrücken trat ich meine Heimreise an. Es war ein sehr kurzweiliger, unterhaltsamer und schöner Nachmittag. Auf bald!

 

Danke Georg! (Mit im Bild: Schorsch Pale Ale)
Danke Georg! (Mit im Bild: Schorsch Pale Ale, noch in der Fassreifung)

 

Mehr über Schorschbräu gibt es übrigens hier.

 

Einen kleinen Artikel von meinem Besuch bei der Drinktec und am Schorschbräu-Stand findet Ihr hier.

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Zu Besuch bei Oliver Wesseloh, Inside Kehrwieder Kreativbrauerei

Oliver Wesseloh, Brauer bei der Kehrwieder Kreativbrauerei und seineszeichens erster Biersommelier Weltmeister, ist ein vielbeschäftigter Mann. Gerade deshalb bin ich froh, dass er sich für mich und ein lockeres Gespräch bei Wasser und (selbstgebrautem) Kaffee Zeit genommen hat. Seid also gespannt was er über Themen aus dem Craftbeer Markt im Allgemeinen und seiner Brauerei im Speziellen zu sagen hatte…

Woher bekommst Du denn die Ideen bezüglich der Namen deiner Biere?

Die kommen in der Regel durch den direkten Bezug zum Bier, dort gewesen sein muss Olli dafür nicht. Die Skagen Sanddorn Gose zum Beispiel trägt ihren Namen, weil Skagen der Ort ist, an dem die Nordsee und die Ostsee ineinander fließen. Ja und was wäre für ein Bier, welches aus Zutaten von der Ostsee, hier kommt der Sanddorn her und der Nordsee, das Salz stammt von der Sylter Meersalzmanufaktur, wohl ein besserer Name als eben dieser Ort? Richtig, keiner!

Parma, das Rauch IPA erhält seinen Namen von der beliebten Geschmackskombination Schinken und Melone, hier wurde dem rauchigen Bier bei der Lagerung Hüll Melon Hopfen zugegeben, eine perfekte Kombination.

Bei der Elbe Gose schließlich, wurde Oliver beim Namen des Flüsschens Gose, welcher durch Goslar, den Ursprungsort der Gose, fließt inspiriert und benannte sie nach, na? Genau, dem ‚Flüsschen‘ Elbe, welches sich durch Hamburg zieht.

Kehrwieder Kreativbrauerei Braukessel
Kehrwieder Kreativbrauerei Braukessel
Wie sind deine Gedanken zu Bierfesten?

Nun, da bringt Olli wirklich interessante Konzepte ins Spiel, meist kommen diese aus dem Ausland wie Italien oder Skandinavien. Sie beinhalten zum Beispiel den Kauf der Biere durch den Veranstalter und die Anwesenheit der Brauer lediglich zum Ausschank und zur Beantwortung von Besucherfragen, was den Brauern selbst entsprechende Sicherheiten geben würde. Eine andere Variante ist es, einen festen Eintrittsbetrag zu erheben und den Besuchern für einen Zeitraum die Möglichkeit zu geben, alle Biere der jeweiligen Veranstaltung zu probieren. Klingt logisch für mich.

Allgemein ist der Charakter eines Straßenfestes, also einer offenen Veranstaltung bei der man Brauer, Atmosphäre und Biere sozusagen vor Bezahlung schon in freier Wildbahn erleben kann ein guter Ansatz, findet Oliver. Anschließend würde man dann z.B. für das Verkostungsglas und entsprechende Probiergrößen zahlen. Gerade die Laufkundschaft entfalle bei geschlossenen Veranstaltungen mit Eintritt fast vollkommen, auch das leuchtet mir ein.

Beliebte Bierfeste bei Oliver sind zum Beispiel die Lingener Bierkultur, die Lange Nacht der Brauereien in München oder eben das Straßenfest mit Craftbeer-Bezug um die Ecke.

Die Kollaboration Old Skool mit Sierra Nevada

Oliver und Scott Jennings, Brauer bei Sierra Nevada kennen sich schon eine lange Zeit, genauergesagt seit Scotts Studium an der VLB in Berlin, bei welchem man als internationaler Brauer die Möglichkeit hat, sich das Brauwesen aus deutscher Sicht mit Abschluss als „Certified Brewmaster“ lehren zu lassen. Daraus entstand eine Freundschaft, auch und gerade weil Oliver stets offen für ein gutes Gespräch und regen Erfahrungsaustausch mit gleichgesinnten ist und diese Offenheit bei Scott richtig gut ankam. Danach verlor man sich, berufsbedingt, erst einmal aus den Augen, doch traf sich durch Zufall wieder in der Sierra Nevada Brewery, wo Scott nun erster Braumeister ist und Olli zu dem Zeitpunkt im Vertrieb eines großen Anlagenherstellers beschäftigt war. Die Harmonie stimmte immernoch zwischen den beiden und so beschloss man, gemeinsam ein Bier zu brauen, auf die alte Freundschaft, Old Skool eben!

 

Die Kollaboration mit Birra Amarcord „Doppelbock A“

Die Welt ist klein, die Gemeinschaft der Craftbeer Brauer auf der Welt kennt sich und wenn nicht, dann kennt man eben jemanden der jemanden kennt, ganz einfach. So kam es auch zur Kollaboration mit Birra Amarcord aus Italien, einem eichenholzfassgereiften Doppelbock. Dieser reift in Rotweinfässern bis zur Perfektion und wird dann in sehr edle Flaschen abgefüllt. Vom wirklichen Endpreis des Produktes war dann selbst Olli etwas überrascht, jedoch ist auch für dieses Bier genug Interesse von deutschen Bierfreunden gegeben, sodass am Ende beide Seiten sehr zufrieden sein können.

 

Hast Du eigentlich ein Lieblingsbier aus deiner Brauerei?

Ich glaube, die Frage hört Olli nicht zum ersten Mal und dennoch musste ich sie stellen. ‚Ganz klar situations- bzw. jahreszeitbedingt‘ lautet seine Antwort. Im Winter darf es gerne mal ein dunkel und stark sein, zum Beispiel sein Imperial Black Prototyp gebraut mit denselben Zutaten wie das normale Prototyp, allerdings mit dunklem Malz. Dieses Bier gibt es jährlich zum Prototyp Geburtstag, dem Jubiläum seines ersten Prototyp-Bieres, als eine Sonderedition. Sonst darf es auch gerne mal eine Skagen Sanddorn Gose oder das überNormalNull, ein alkoholfreies IPA mit Hefe gebraut, welche Malzzucker nicht zu Alkohol vergären kann. Das geht immer sagt er.

 

Der Hamburger Senatsbock

Mittlerweile wurde ein Verein zur Erhaltung dieser Tradition gegründet. Ein Traum von Oliver, so verrät er mir, ist das eines Tages jede private Brauerei Hamburgs beim großen Senatsbockanstich ihre eigene Variante vorstellen kann. Dieses Jahr waren es bereits 3 verschiedene Editionen, er ist also zufrieden mit der Entwicklung. Seine Variante, die Franzböckchen Edition, ist angelehnt an das norddeutsche Kultgebäck ‚Franzbrötchen‘ und wurde von ihm und seinem befreundeten Biersommelierkollegen Reini Schenkemaier aus Österreich gebraut. Verfeinert wurde das Bier beim Brauvorgang durch von Reini mitgebrachte Kakaonibs aus der Zotter Schokoladenmanufaktur. Das Zusammenspiel aus Schokolade und Röstaromen findet Olli sehr spannend, natürlich hab ich mir da gleich eine Flasche aus Hamburg mitgenommen… Übrigens ist auch die Schokoladenmanufaktur sehr zu empfehlen meint er, wenn man bei all den Probiermöglichkeiten bei der Führung durch das Schokoparadies keine Angst vor einem Schokoladen-Fresskoma hat.

 

Craftbeer im Supermarkt

Findet Oliver generell gut, man müsse nur richtig über die Biere informieren. Diese Informationen findet er, müssen dann aber auch und gerade vom Brauer selbst kommen. Möglich sei dies zum Beispiel durch Flyer, QR-Codes auf den Flaschen oder kurzen und prägnanten Informationen zum Geschmack direkt am Verkaufsregal angebracht.

 

Untappd oder RateBeer?

RateBeer, da man hier noch gefordert sei, schriftlich zu begründen, warum einem das Bier nun miss- oder gefällt. Die reine Bewertung bei Untappd ist da weniger aussagekräftig und da stimme ich auch mit ihm überein. Problem ist natürlich, dass auch kurze negative Bewertungen bei Untappd zu negativen Kaufentscheidungen so manches Kunden führen können.

 

Der Verein Deutsche Kreativbrauer e.V.

Ist für gewerbliche Brauer gedacht, welche nicht in Konzernhand sind und kreativ brauen. Der erste Gemeinschaftssud hat Olli wie auch mir übrigens sehr gut geschmeckt, obwohl Kümmel aus purer Absicht nichts in seinem täglich (Abend-)Brot zu suchen hat. Weitere Sude sind derzeit bereits in Planung, man überlege sogar 2 Biere pro Jahr zu brauen. Natürlich geht mehr eben und natürlich werden dies auch jeweils unterschiedliche Biere sein.

Kehrwieder Kreativbrauerei Braukessel
Kehrwieder Kreativbrauerei Braukessel
Die eigene Brauerei

…stösst schon an ihre, bei Bezug noch nicht für möglich gehaltenen, Kapazitätsgrenzen und so muss teilweise schon zum Brauen nach Nittenau ausgewichen werden. Doch ich denke mal das wird Oliver verkraften können, heisst es doch nur dass er mit seinen Bieren den Geschmack der Menschen trifft und das auf eine wunderbar kreative Art und Weise.

Oliver Wesseloh und ich vor den Lager- und Gärtanks
Oliver Wesseloh und ich vor den Lager- und Gärtanks

Ein Besuch bei Oliver lohnt sich also immer, jeden Freitag beispielsweise ist Lagerverkauf von 10-18 Uhr. Dankbar bin ich für die Zeit, die Olli sich für mich genommen hat, obwohl an diesem Tag wieder seine Skagen Sanddorn Gose gebraut wurde. Ich jedenfalls kehre also bestimmt wieder… Cheers!

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