Kreativ, schmackhaft und aufschlussreich – Ein Brautag mit Karsten Buroh von Eppelein & Friends

Der Prolog oder: wie kamst du eigentlich zum Brauen, Karsten?

‚Mit einem Braukurs vor ca. 7 Jahren hat alles begonnen‘, erählt mir Karsten Buroh, Brauer der Eppelein & Friends Craft Bier Manufaktur aus Nürnberg, als ich mit Ihm vor seiner Sondersud-Anlage stehe. „und seit Anfang 2015 einigermaßen professionell“. Zwei Speidel Braumeister 50 stehen vor mir, das Malz hat er bereits geschrotet, ein NEIPA soll es werden. Mit seinem ersten NEIPA (New England IPA), dem „Hazy Chick“ hatte er in der fränkischen Bierszene 2017 bereits Pionierarbeit für diesen Bierstil geleistet sagt er. „Da war ich meiner Zeit in Nürnberg voraus“. Das Bier war echt gut, wenn ich selbst mich so zurück erinnere.

Die beiden Speidel Braumeister bei der Arbeit
Die beiden Speidel Braumeister bei der Arbeit
Doppelt maischen hält besser

Aber wieder zum Thema zurück… die Braukessel laufen schon heiß, das erste Einmaischen findet gerade statt. Das erste? Ja richtig, heute wird zweimal eingemaischt. Dies geschieht, um die notwendige Stammwürze zu erreichen. „Mit dieser Anlage bekomme ich sonst alkoholstarke Biere kaum hin“, meint Karsten Buroh.

Genug Zutaten zum Brauen sind da ;-)
Genug Zutaten zum Brauen sind da 😉

Gut riecht es schon. So ähnlich muss das damals auch bei seiner ersten Brauerfahrung, damals im Braukurs geduftet haben. Jeder Teilnehmer bekam sogar einen eigenen Teil des Sudes zur Vergärung im Kühlschrank mit nach Hause, erinnert er sich. Und während wir nun vor den beiden ‚Braumeistern‘ stehen und uns sein Hop!Hop!Hop!‘ IPA, das Anfang 2015 als einer der ersten Sude bis heute mit unveränderter Rezeptur angeboten wird, schmecken lassen, kommen wir ins Gespräch:

 

Eppelein & Friends - Hop! Hop! Hop! IPA
Eppelein & Friends – Hop! Hop! Hop! IPA
inspiration, bierbewertungsportale, Kollaborationen – das interview mit karsten buroh

Woher nimmst du eigentlich die Inspiration für deine Biere und Rezepte?

Karsten sieht sich Bierstile und deren Rezepte genauer an und untersucht diese dahingehend, welche Variationen man daraus hervorzaubern, und welche Hopfensorten man außer den angegebenen alternativ noch verwenden kann, um eine besondere Note ins Bier zu bekommen. Wichtig bei all seinen Bieren ist jedoch die gute Trinkbarkeit. „Ich braue nicht für Hardcore-Hopheads“, sagt er, „weil die hierzulande immer noch eine Minderheit stellen. Biere mit 100 IBU und mehr braucht kein Mensch.“

Was denkst du über Bier-Ratingportale?

Ganz einfach: So weit es geht ignorieren, denn die zunehmende „Badge-Geilheit“ und zu subjektive Bewertungen lassen in der Regel keine seriösen Schlüsse zu. „Viele Rater sind in Wirklichkeit Jäger und Sammler, aber keine wirklichen Experten.“ Besser sind da Live-Bewertungen in Podcasts (z.B. Real Ale Guide, der größte Videoblogger der Bierszene). Wenn eine Entscheidung, ob sie gut oder schlecht ausfällt, jedoch fundiert begründet wird, so kann er sich auch mit dieser Variante anfreunden. „ich bin nicht aus Zucker und nehme fachlich fundierte  Kritik natürlich ernst“.

Wird es auch mal Brau-Kollaborationen geben?

Bestimmt, meint Karsten. Teilweise sind diese bereits vorhanden, arbeitet er doch schon seit einiger Zeit mit der Museumsbrauerei im Gewerbemuseum Kulmbach zusammen („manchen gelungenen Sud teilen wir uns dann“), teilweise sind diese noch in Planung.

„nicht zu abgespaced – das ist wichtig“

Gibt es Bierstile, die du noch brauen möchtest, aber es bisher (aus welchen Gründen auch immer) noch nicht getan hast?

Die gibt es, sagt er, allen voran einige belgische Stile wie z.B. ein Tripel oder Lambic. „Aber es gibt so viele Möglichkeiten, da fehlt einem manchmal die Zeit“.

Bier brauen braucht Zeit und Muße
Bier brauen braucht Zeit und Muße

Was macht deine Biere denn aus?

„Sie sind in der Regel gut trinkbar, nicht ganz so abgespaced, dass sie einem im Hals stecken bleiben“. Seine Biere sind halt an den Gaumen des fränkischen Bierpublikums angepasst und das soll, zumindest was die Drinkability angeht, auch so bleiben. „Sicher gibt es auch mal was Spezielles, aber wichtig ist, dass die Leute das Bier gerne trinken, und damit auch öfter“ meint er.

zukunftsaussichten und des brauers Lieblinge

Was wird man in Zukunft noch flüssiger Natur von dir hören?

Wichtig ist das „Timing“ neuer Veröffentlichungen,  z.B. die verschiedenen Jahreszeiten – und situationsbedingt sollten neue „Releases“ immer passen. Generell kann man sich auf traditionelle Bierstile freuen, die von Karsten Buroh anders interpretiert und den Gaumen der (Craft-) Bierfreunde kitzeln werden. Ein Beispiel wäre hier ein rotes Pils. Man darf gespannt sein…

Hast du ein Lieblingsbier, von dir selbst gebraut?

Eigentlich ist dies immer das aktuell Neueste. Klingt Logisch für mich, wenn so viel Herz und Ideen in ein neues Craftbeer eingeflossen sind. Saisonal gibt es freilich Vorlieben, so schmecken ihm zur Herbst- und Winterzeit die dunklen-malzigen, und wenn die Sonne sich länger wieder zeigt, die hellen fruchtigen Bierstile am Besten.

Aktuell ist, der Neuveröffentlichung vor wenigen Wochen geschuldet, übrigens der ‚Schwarze Prinz‘ sein Liebling, den ich gleich noch für Euch vorstellen werde.

Dein Lieblingsbierstil

Flexibel, der kann sich durchaus wöchentlich ändern.

Karsten Buroh, Brauer bei der Eppelein & Friends Craft Bier Manufaktur
Karsten Buroh, Brauer bei der Eppelein & Friends Craft Bier Manufaktur
„Die kreativbrauer machen einen super job“

Hast du Vorbilder in der Brauszene?

„Wenn ich nun einen nenne, den ich gut finde, ist ein anderer vielleicht beleidigt“, so Karsten. Die Entwicklung der Kreativbrauszene in Deutschland sieht er aber durchweg positiv. „Die Kreativbrauer machen einen super Job“, sagt er und fügt an, dass man sich selbst vor Enttäuschungen bewahrt, indem man sich niemand zum Vorbild nimmt. „Es kommen schließlich nicht von jedem Brauer durchgängig exzellente Biere. Auch von mir nicht. Aber meistens schütte ich das dann schon vorher weg“ grinst er.

Welches war dein erstes selbstgebrautes Bier und wie ist es dir gelungen?

Ein bernsteinfarbenes Kellerbier, welches überraschenderweise sowohl bei ihm selbst, als auch beim (freiwilligen) Testpublikum geschmacklich durchweg überzeugen konnte. Trotzdem würde er in nächster Zeit kein Kellerbier auf den Markt bringen. „Davon gibt es in Franken schon genug davon“ Er lächelt.

Könntest du dir vorstellen, mal ein stinknormales Helles oder Weizen zu brauen?

Nicht ganz, bei den Zutaten würde er immer Variationen mit einbringen, jedoch dem Bierstil stets möglichst treu bleiben, das ist ihm wichtig. Sollte es ihn mit der Kreativität überkommen und das Bier vom Stil abweichen, so würde er es klar auf dem Etikett der einzelnen Bierflasche ausweisen (z.B. ein kaltgehopftes Helles, oder einen Weizenbock mit einer speziellen Hopfenvariation).

Wie kommst du auf die Namen deiner Biere?

Meistens ganz spontan „aus der Hüfte geschossen“ (O-Ton Karsten Buroh), oft steht der Name auch bereits vor dem Rezept fest, wie zum Beispiel bei seinem ‚Camp Fire‘ Smoked Brown Lager, oder dem „Hazy Chick“, dem ersten NEIPA aus Nürnberg vom Sommer 2017. „Aber das aktuelle NEIPA wird anders heißen.“, meint er.

Wie würdest du deine neueste Kreation, den ‚Schwarzen Prinzen‘, ein Imperial Stout, beschreiben?

„Schwarz – Stark – Kräftig  – Malzig – Espresso – Bitterschokolade – gut trinkbar – Geil!“

the final countdown – schön war es!

Es folgen die Nachgüsse, „zubereitet“ in einem Glühweinerhitzer, der die Größe meines eigenen, für das Bier brauen verwendeten hat und doch ziemlich klein aussieht, neben den beiden 50 Liter Kesseln. Ist dies geschehen, entfernt Karsten die Malzeinsätze wieder um nur wenig später die für das zweite Einmaischen vorbereitete Mischung einzufüllen. Das Entfernen aus dem Braukessel erfordert schon Muskelkraft, das darf ich beim zur Hand gehen am eigenen Leib erfahren. Nicht so viel jedoch, wie beim nächsten Durchgang, meint Karsten grinsend und deutet auf die beiden größeren Einsätze auf dem Nebentisch. Nach meinem aktuellen Zustand mit nur einem Frühstücksei intus machen die verwendeten Haferflocken in der Malzmischung ganz schön hungrig, es ist ja schon nachmittags, aber sie werden ja noch fürs Bier gebraucht.

Marmelade mit Eppelein-Bier? Aber klar: Papalade... die hätte ich Morgens schon essen sollen...
Marmelade mit Eppelein-Bier? Aber klar: Papalade… die hätte ich Morgens schon essen sollen…

Meist braut Karsten seine Sondersude übrigens im manuellen Modus des Braumeisters, da hat man mehr Kontakt zum Produkt in seinen unterschiedlichen Stadien. Die größeren Bierprojekte realisiert er bei der Gasthausbrauerei Hufeisen in Pottenstein und der Brauerei des Gewerbemuseums in Kulmbach. Die Etiketten der Eppelein-Biere erfahren derzeit eine Überarbeitung. Angefangen beim neuesten Bier, dem „Schwarzen Prinzen“ über das „Hop!Hop!Hop!“ IPA sollen nach und nach alle Sorten dem neuen Stil angepasst werden.

Nachdem der 2. Einmaischprozess des New England India Pale Ale abgeschlossen ist und der Sud langsam an Temperatur gewinnt, probieren wir dann gegen Ende auch sein neues Schätzchen, den „Schwarzen Prinz“. Ein lehrreicher Brautag mit einem entspannten und unprätentiösen Brauer Karsten Buroh geht für mich zu Ende, und auf das fertige Bier bin ich jedoch jetzt schon gespannt.

 

Es folgt die Bierverkostung „Schwarzer Prinz“:

Name: Eppelein & Friends Craftbier Manufaktur – Schwarzer Prinz

Bierstil: Imperial Stout

Zutaten: Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen (Fuggles, Perle), Hefe

Alkohol: 7,3 %

IBU: ca. 30

Beschreibung des Bieres:

Eppelein & Friends - Schwarzer Prinz
Eppelein & Friends – Schwarzer Prinz

Optischer Eindruck:

Dunkel aber nicht ganz schwarz präsentiert sich das Bier im Glas, im Sonnenlicht lässt sich ein rötlicher Farbton erkennen. Der Schaum ist weiß, feinporig und relativ stabil.

Geruch:

Im Geruch bemerke ich Kaffeenoten, Bitterschokolade und fruchtige Aromen sowie leicht Minze und Toffee.

Antrunk:

Der Antrunk präsentiert sich malzbetont und kaffeearomatisch. Hinzu kommen Noten von Bitterschokolade sowie eine erfrischende Komponente. Das Bier ist mild karbonisiert und legt sich angenehm sanft auf die Zunge. Der Alkohol ist gut eingebunden, wirkt jedoch bei 7,3 Prozent wärmend auf mich ein.

Nachtrunk:

Im Nachtrunk verbleibt die Zartbitterschokoladenote mit feiner Kaffeenote und klingt dann langsam ab.

Fazit:

Ein idealer Speisebegleiter zu kräftigem Essen aber auch Desserts

 

Mehr zur Eppelein & Friends Craft Bier Manufaktur gibt es hier.

Karsten Buroh beim Brauerstammtisch, meinen Bericht findet ihr hier.

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Honig Bräu Nürnberg – ein Mann, ein Bier, das passt!

Honig Bräu, mit Herz dabei

‚Honig Bräu, ist da Honig drin?‘, so ungefähr muss wohl die erste Frage fast jedes Menschen lauten, wenn er das Etikett der 0,33 Liter Flasche des Pale Ales, derzeit mit Ausnahme verschiedener kleinerer Sude für unterschiedliche Festivitäten die einzige Sorte Bier von Honig Bräu, betrachtet. Ist aber keiner drin, denn Honig so heisst der Brauer des Bieres, Christian Honig um genau zu sein.

Christian Honig und seine Braukessel
Christian Honig und seine Braukessel bei Honig Bräu

Entwickelt hat sich seine Leidenschaft für Bier, wie bei vielen kreativen Brauern, durch das sogenannte Homebrewing, d.h. Zuhause für und mit Freunden kleine Mengen verschiedener Bierstile im kleinen Rahmen zu brauen. Seine Liebe zum Heimbrauen hat er auch heute nicht verloren, veranstaltet im Z-Bau beispielsweise Homebrewing Events. Die neueste Veranstaltung, in welcher er gemeinsam mit anderen Interessierten Gerätschaften zum Brauen herstellt und diese mit einem Raspberry Pi zur teilweisen Automatisierung verbindet, steht für die kommenden Tage schon in den Startlöchern.

Seine Brauerei ist im Z-Bau untergebracht, gelegen im Süden Nürnbergs. Hier braut er unter der Woche des Öfteren alleine, am Wochenende auch mal mit den Jungs von Z-Bräu, welche sich mit ihm die Kessel teilen, gemeinsam. Apropos Braukessel, diese sind teilweise umgebaute Milchbottiche und fassen circa 190 Liter pro Sud, Erweiterung nicht ausgeschlossen. Insgesamt treffe ich auf einen gut aufgelegten Brauer, früher 13 Jahre im Lehrerberuf an der Mittelschule tätig, der sich Zeit für mich nimmt. Man spürt Christian ist mit Herz bei der Sache und der bisherige Erfolg gibt ihm Recht.

Wie kommt das Bier in die Flasche und was ist drin?

Mittlerweile hat er seine Flaschenabfüllung nach Pottenstein zu Hufeisenbräu ausgelagert um der Nachfrage Herr zu werden. Kein leichter Schritt wie er mir erzählt, aber ein notwendiger. Eine Rückkehr zur eigenen Abfüllung ist ja immernoch möglich. Zur Zeit bietet er seine Flaschenbiere schon bei einigen bekannten Bars in Nürnberg an, darunter im Kater Murr und im Bierwerk.

Seine Rohstoffe bezieht er aus der Region, das Malz von der Mälzerei Gebr. Steinbach aus Zirndorf, den Hopfen aus Spalt, das passt. Auf sein Markenlogo angesprochen erklärt Christian mir, dass es aus einem echten Foto von ihm am Braukessel entstanden ist, welches digital am Computer bearbeitet wurde. Eine schöne Anekdote wie ich finde.

Qualität und Anspruch bei Honig Bräu

Die Qualitätsansprüche bei Honig Bräu sind übrigens, wenn auch noch im kleineren Maßstab, keineswegs geringer als bei größeren Brauereien. Jedes Bier welches die Brauerei in der Flasche oder im Fass verlässt, soll konstant so schmecken wie es der Brauer einmal ausgearbeitet und für gut befunden hat, so lob ich mir das.

Die Gemütlichkeit seiner Kleinbrauerei bleibt dabei keineswegs auf der Strecke, hier kann man es absolut aushalten, nicht nur beim Karten spielen mit den Z-Bräu Jungs im offen verbundenen Nebenraum, nein auch Zwischen Maischebottich und Whirlpool. ‚Hier wird der Whirlpool übrigens noch handgemacht‘ erklärt mir Christian und schwingt dabei das Maischepaddel im Kreis. Hier ist die Welt noch in Ordnung denke ich mir.

Visionen?

Gibt es Zukunftsvisionen, frage ich ihn abschließend, vielleicht noch mehr verschiedene Sorten Bier? Visionen davon habe er schon, meint Christian, aber erst einmal möchte er gerne die eine Sorte, sein Pale Ale, weiter verbreiten. Über Nürnberg hinaus, in weiter entfernter Zukunft kann er sich auch einen eigenen Standort vorstellen, da darf man doch gespannt sein, oder nicht? Ich werde jedenfalls die weitere Entwicklung interessiert verfolgen und weiter für Euch über Honig Bräu berichten.

Falls Ihr nun noch mehr zum Bier wissen möchtet, hier folgt meine Verkostung des Honig Bräu – Pale Ale:

Honig Bräu - Pale Ale
Honig Bräu – Pale Ale

Name: Pale Ale

Bierstil: Pale Ale

Zutaten: Brauwasser, Gersten (Pale Ale und Karamellmalz) – und Weizenmalz, Hopfen (Spalter, Taurus, Mandarina Bavaria, Cascade), Hefe (obergärig)

Alkohol: 5,1 %

IBU: 31

Beschreibung des Bieres:

Optischer Eindruck:

Bernsteinfarbenes leicht naturtrübes Bier mit weißer, feinporiger und mittelfester Schaumkrone

Geruch:

In der Nase zeigen sich Noten von Grapefruit und Trockenfrucht. Dazu erlebe ich würzige, florale und brotige Aromen.

Antrunk:

Auf der Zunge erschmecke ich neben einer mild prickelnden Rezenz kräuterige, florale und würzige Aromenvielfalt. Hinzu kommt eine unaufdringliche Bittere mit feinen Grapefruit, leichent Zitrusnoten und einer schönen Fruchtigkeit.

Nachtrunk:

Im Abgang verstärkt sich die Zitrusaromatik und wird durch würzige, florale Einschläge ergänzt. Die Herbe ist noch in Nuancen wahrnehmbar und klingt langsam aus.

Fazit:

Das Bier in seiner Gesamtheit ist rund und stimmig, die unterschiedlichen Aromen ergänzen sich ohne dabei einander im Wege zu stehen. Ein ausgewogenes Pale Ale, welches mir sehr gut gefällt.

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Köln – mehr als ’nur‘ Kölsch

 

„Was willst du denn in Köln, da gibt’s doch nur Kölsch?“, so die erste Reaktion einer meiner Cousins auf meinen geplanten Kurztrip in die Rheinmetropole. Ursprünglich nur als Aufenthalt aufgrund des Gewinns zweier TV-Show Karten geplant, entwickelte sich ein spannender Bierausflug in 2 Akten.

Tag 1

Schreckenskammer Kölsch – schrecklich gut?

Von der Schreckenskammer Köln hatte ich in einem Reiseführer Kölscher Kneipen gelesen, hier werde im kleinen Rahmen feines Kölsch gebraut. Da die Kammer meiner Unterkunft am nächsten gelegen war, stand meine erste Station des Tages somit fest. Und wirklich, die zugehörige Kneipe ist urgemütlich, man findet hier so manchen Fanartikel des Effzeh (1. FC Köln) an den Wänden und hinter der Theke wieder und auch das Kölsch schmeckte mir gut. Im Detail ist es goldgelb mit feinporigem stabilem Schaum. In der Nase macht sich eine gewisse Fruchtig- und Würzigkeit breit, der Antrunk fällt deutlich herb-würzig aus, während im Abgang fruchtige Noten sowie eine feine Säure mitschwingen.

Brauhaus zur Malzmühle – Mühlen Kölsch

Weiter ging es zum Brauhaus zur Malzmühle, welche das Mühlen Kölsch braut, hier gab es eine mittägliche Stärkung gleich mit dazu, der Köbes war bester Laune und auch das Bier schmeckt hier. Goldgelb mit feinporigem festen Schaum wartet es im Glas auf den ersten Schluck, die Nase wird durch eine erfrischend fruchtige Zitrusnote und Würzigkeit gekitzelt, im Mund liegt es prickelnd auf der Zunge, wirkt fruchtig und im Abgang leicht herb.

Ubierschänke – Böllbier oder Böll ist nicht gleich Böll

Die Ubierschänke, Station 3 welche ich Euch vorstellen möchte, ist eine typisch kölsche Kneipe mit schicker Bar und fast noch hübscheren Bierdeckeln. Ausgeschenkt wird hier das Böllbier, benannt nach ‚dem stadtbekannten Szenewirt Clemens Böll, der mit dem Brauerei-Gründer Günther Zabel einst das „Alcazar“ eröffnete‘ (laut Website). Dieses wird, auch hier natürlich für den Franken erstmal ungewohnt, in kompakter 0,2 Liter Bierstange serviert. Auch dieses Bier präsentiert sich im Glas goldgelb, hier verflüchtigt sich der Schaum jedoch etwas schneller als bei den bisher getesteten Bieren. In der Nase habe ich Getreide, Zitrus und fruchtige Aromen, der Antrunk ist würzig, fruchtig und beinhaltet ebenfalls Zitrusfrucht. Im Abgang lässt das Böllbier es feinherb-fruchtig ausklingen.

Hellers Brauhaus – Variantenreiche biere

Nachmittags stand das Hellers Brauhaus auf meinem Plan, hier war ich vor allem auf das unfiltrierte Kölsch gespannt, aber der Reihe nach..

Das Hellers Kölsch ist golden, glanzfein (ohne Trübung) und besitzt eine weiße feste Schaumkrone. Es riecht nach Getreide, würzig und hat Zitrusnoten, der erste Schluck gestaltet sich würzig und herb mit einem Hauch Zitrus welcher auch im Abgang noch, verbunden mit leichter Bittere, nachhallt.

Hellers Wiess, eine besondere weil unfiltrierte Version des hauseigenen Kölsch, war als nächstes an der Reihe. Beim Servieren dachte ich erst an ein Weizen, nicht zuletzt aufgrund der Darreichungsform in einem Weißbierglas. Die Trübung hätte auch gepasst, dazu eine schöne Bernsteinfarbe und ein cremiger, fein- bis mittelporiger Schaum und in der Nase Zitrus- und Grapefruitaromen. Die Spannung vor dem ersten Schluck stieg und wurde mit Getreide, Hefe, würzigen und im Vergleich zum normalen Kölsch herberen Noten beschwingt. Der Abgang wiederum fällt bei diesem Bier herb-fruchtig aus.

Zum Finale gesellte sich dann noch das Hellers Weizen ins Glas, auch dieses Bier ist bernsteinfarben, natürtrüb und der Schaum feinporig und mittelfest. Der Geruch ist eine Kombination aus fruchtigen Noten wie Pfirsich, Maracuja und Zitrusfrucht, vor dem sich auch der erste Schluck nicht verstecken braucht. Dieser wartet mit ebendiesen Pfirsich und Zitrusnoten sowie einem Touch Banane auf. Im Abgang bleibt es fruchtig mit Bananen-, Zitrus- und Trockenfruchtaromen.

Wirklich gelungene Biere gibt es also auch im Hellers Brauhaus, dem sollte meine abschließende Station des Tages auch in nichts nachstehen…

Braustelle Köln – hier wird kreativ gebraut
Braustelle Köln
Braustelle Köln

Die Braustelle Köln, hier braut Peter Esser Biere der kreativen Sorte, mit Zutaten fernab des Reinheitsgebots. Das Gute daran ist, sie schmecken auch noch sehr gut.

Probiert habe ich zwei seiner Biere, das erste war der Pink Panther, bekannt aus Funk- und Fernsehen und doch noch nie in Bierform erlebt… farblich kommt er wirklich leicht pink daher, der Schaum ist feinporig und die Nase meldet fruchtiges. So kommt der Hibiskus, mit welchem dieses Bier gebraut wurde auch im Geruch an, unterstützt wird dieser von Zitrusfruchtnoten. Der Antrunk des Bieres ist spritzig prickelnd auf der Zunge, mit fruchtigen, leicht säuerlichen Aromen, im Abgang verbleibt es fruchtig mit Zitrusnoten. Dieses Bier kann ich mir auch gut bei 30 Grad im Biergarten vorstellen.

Das Zweite aus der Braustellen-Reihe vom Fass für mich war das O’Collins Red Ale, mit einer wunderbar kastanienbraunen Färbung mit rötlichem Einstich und feinporigem cremefarbenem Schaum. Des Weiteren hat es fruchtige Noten von Trockenfrüchten und roten Beeren in der Nase. Der Antrunk ist fruchtig mit fruchtiger leichter Säure sowie leichter Bittere und dadurch ebenfalls sehr erfrischend . Das Bier beziehungsweise dessen herbe Fruchtigkeit hallt auch noch nach.

Hier muss ich definitiv wieder hin, die Taplist mit 8 Bieren vom Fass und stets neuen Kreationen schreit praktisch danach!

Tag 2

Brauhaus Päffgen

Am zweiten Tag verschlug es mich zuerst ins Brauhaus Päffgen, das Kölsch hier ist fein, goldgelbe Färbung mit feinporiger Blume (Schaumkrone). Meine Nase zeigt Zitrusfrucht, Getreide sowie würzige Noten an. Der erste Schluck bestätigt diesen Eindruck, dazu kommt noch eine deutliche Herbe sowie angenehme Würze und Fruchtigkeit. Die Herbe steigt im Abgang für mein Empfinden sogar noch etwas an, bleibt aber durch seine fruchtige Begleitung stets angenehm harmonisch.

Gaffel am Dom

Bei Gaffel am Dom fiel mir direkt die beeindruckende Zapfanlage an der Theke mit seinen kupfernen, blankpolierten Leitungen auf. Aus ihnen sprudelt das Gaffel Kölsch, mit Zitrus, einer feinen Säure und Getreide als erstem Eindruck, welchen der Geruch vermeldet. Beim Trinken kommen eben diese Getreide- und Fruchtnoten zu Tage, ergänzt durch eine würzige, feine Herbe. Im Nachhall verbleiben fruchtige sowie zitronige Aromen am Gaumen.

Pfaffen Brauerei – das etwas andere kölsch

Ein klasse Kölsch, auch oder vor allem gerade weil es etwas aus der Reihe tanzt ist übrigens das Original Pfaffen Bier der Pfaffen Brauerei. Mit seiner Bernsteinfarbe, dem feinporigen festen Schaum und dem kleinen Obstkorb an Fruchtaromen (Pfirsich, Melone) in der Nase. An seiner Seite florale, leicht würzige Noten und einem malzbetonten Antrunk, fällt es schon auf in der Kölner Brauereilandschaft. Zusätzlich wird dieser Eindruck auf der Zunge noch durch Aromen von Pfirsich, Zitrus und Gras (das auf der Wiese) unterstützt. Für manch einen ist dieses Bier zu malzig für ein Kölsch habe ich gehört, ich fand es gut.

Craftbeer Corner Coeln – beer you, beer me

Kommen wir nun zum Abschluss meines erfahrungsreichen Köln Besuches, der Craftbeer Corner Coeln. Sage und schreibe 15 Zapfhähne warten hier darauf, bezwungen zu werden. Glücklicherweise geht dies bei fast allen auch mit Tastingboards oder zu deutsch, Probierbrettchen. Hier kann man sich seine Biere nach Herzenslust zum verkosten zusammenstellen, was ich auch gerne tat.

Vorstellen möchte ich daraus kurz 3 Biere von Sebastian Sauer, Brauer der Freigeist Bierkultur, welche extra für die Corner gebraut werden. Das Veedels Wiess, eine fruchtig, würzige und im Abgang leicht herbe Kölschvariante. Dazu das Veedels Weizen mit Banane, Zitrus sowie grasigem Duft, Banane, leichter Würzigkeit und einer feinen Säure und fruchtigem Zitrusaroma im Antrunk und im Abgang weiter fein fruchtig bananig.

Das Trio komplett macht das Veedels Maggel, tropische Früchte in der Nase, dazu hopfig und Zitrusaroma. Der Antrunk ist fruchtig, prickelt auf der Zunge und hat neben der alkoholischen Wärme noch feine Zitrusnoten parat, welche auch im Abgang mitschwingen.

Sehr gut fand ich außerdem folgende Biere:

Great Divide Brewing Company – Yeti: kräftiges Stout mit Röstmalz- und Bitterschokolade Aromen

Sibeeria – Ikaros: fruchtiger (Zitrus, Birne, Pfirsich) Weizenbock aus Tschechien

Prairie Artisan Ales – Phantasmagoria: fruchtiges Double IPA mit Zitrus, Pfirsich, Maracuja und Honignoten

Übrigens ist die Craftbeer Corner derzeit auch bestens mit dem ein oder anderen Bier der Orca brau von Felix vom Endt aus Nürnberg versorgt..

Alles in allem eine wirklich schöne Bar mit tollen Bieren und freundlichem Service, auch hier bin ich sicher nicht zum letzten Mal gewesen.

Ich kann Köln abschließend also nur empfehlen, eine sehr offene und schöne Stadt mit herzlichen, aufgeschlossenen Menschen und gutem Bier, was will man mehr?

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