Schneeeule Berlin – Ein (Erlebnis-)Bericht

EIn langer weg, aber es hat sich gelohnt

Es war eine lange Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln Berlins am Sonntag Abend, dann noch eine Sicherheitskontrolle am Werkstor in der Egellsstraße passieren und im nächtlich beleuchteten Industriepark in Berlin Tegel das richtige Gebäude suchen. ‚Das mit den Bierflaschen vor der Tür, nicht zu verfehlen!‘ sagte mir der Pförtner noch. Ich habe trotzdem ordentlich gesucht, aber schlussendlich auch gefunden was ich suche, die Brauerei der Schneeeule Berlin.

Fernab von Kupferkesseln und Industriebier, aber mit dem Charme einer Kleinbrauerei wird hier Bier gebraut, ab und an probiert, abgefüllt und auch neue Rezepturen entwickelt. Alles im kleinen Rahmen, das kenne ich ja schon aus Franken. Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist hier natürlich die Zeit, ein Bier darf hier reifen, sich entwickeln und dabei darf es auch gerne mal experimentell zugehen.

Ich bin der neue in der Abfüllung

Aber mal ganz von vorne, Ulrike Genz oder kurz Uli, Diplom-Braumeisterin und Brauerin bei Schneeeule, empfängt mich kurz vor 20 Uhr mit einem Lächeln. Da fühle ich mich schon wie Zuhause, auch im gut 500 Kilometer entfernten Berlin-Tegel. Sie füllt gerade ein Bier ab, genauer gesagt eine im Rumfass gelagerte Voll-Weisse und ich darf helfen. Die großen 0,7 Liter Flaschen wirken mächtig und edel. Ich fülle sie von der Palette in kleine handliche Transportkästen und reiche sie der immer gut gelaunten Uli an. Sie werden von ihr drucklos abgefüllt, 4 Flaschen gleichzeitig und das braucht Zeit. Heute sogar mehr als ihr lieb ist, erwähnt sie doch manchmal mal es könne doch ein bisschen schneller in die Flaschen laufen.

Schneeeule Berlin, die Abfüllung
Schneeeule Berlin, die Abfüllung

Plötzlich eine Schrecksekunde, beinah hätte ich doch glatt mit dem Rücken dein sorgsam mit Flaschen bestückten Flaschentrockner-Ständer umgelegt. Das wäre ihr nicht so lieb gewesen, meint Uli grinsend. Ich schnaufe einmal erleichtert durch und weiter geht’s. Ja, sogar den Verkorker darf ich mal benutzen, hier wird jede Flasche einzeln von Hand mit dem entsprechenden Kronkorken versehen.

 

Wie fing das eigentlich an, mit der hefe?

Wo sie die Hefe für ihre ersten Biere herhatte frage ich, ‚aus zwei als Geschenk erhaltenen Bierflaschen‘, sagt sie. Spannend, von der Extraktion von Hefe aus Flaschen hatte ich bisher nur in meiner Biersommelierausbildung gehört. Mittlerweile entstehen hier sogar Biere mit Hefe aus Flaschen mit über 50 Jahren auf dem Buckel.

Schneeeule Berlin
Schneeeule Berlin, die Flaschen werden verpackt

Über meine ersten Brauversuche und einem nach einer gewissen Lagerungszeit sauer gewordenen Weizen meint sie grinsend, schlecht wäre das ja auch nicht, obwohl man sauer ja in normalen Brauereien gar nicht haben wolle. Ich muss lachen und fühle mich ob meines unfreiwillig produzierten Sauerbieres nun ein gutes Stück besser.

Warum Schneeeule? oder warum eigentlich nicht!

Fasziniert gucke ich auf die Schneeeule als Symbol auf den Flaschen und befinde es für richtig stilvoll, ‚die Schwingen stehen symbolisch für die Schaumkrone der Berliner Weisse‘ sagt Uli mir. ‚Und außerdem sehen die 3 E’s in der Mitte einfach gut aus‘, wer will da widersprechen?

Interessant auch, dass auch gelegentlich Brauer um Rat oder Tipps fragen, ob und wie man ihre eigenen Biere ‚verschneeeulen‘ könnte, ja so nennen sie das hier bei Schneeeule Berlin. Kollaborationen gab es auch schon, zum Beispiel mit Alexander Himburg, von Himburgs BrauKunstKeller mit dem BrettAmarsi, einem Sour Double IPA, dabei wurde Alex Amarsi Double IPA 6 Monate Eichenholz-gereift und mit einer Schneeeule Berliner Weisse zu einem völlig neuen Geschmackserlebnis kombiniert. Oder auch dem LuckyLup zusammen mit der Braukunst Gebr. Wiestner, jüngst von mir verkostet und auf meinem Blog beschrieben.

ich probiere mich durch

Ob ich auch etwas vor Ort probieren durfte? Natürlich, Arbeit macht durstig und gestillt wurde selbiger beispielsweise durch eine junge, noch in der Reifephase befindliche Marlene, welche noch etwas milder in ihrer Säure und fruchtiger daherkommt, eine wirklich schöne Erfrischung und noch dazu so nicht zu kaufen. Oder die Voll-Marlene, also mit dem doppelten Alkohol der ‚Normalversion‘, eine fruchtig-saure sehr feine Variante dieses Bierstils.

Wer es saurer mag, greift zu Inge, ‚die sauerste von allen‘ so Uli, ein Bier das übrigens gänzlich ohne Hopfen auskommt, und tatsächlich, da geht ordentlich was in Sachen Säure, aber nie ohne unrund zu wirken. Das haben all ihre Biere gleich, nie ist mir eine übertrieben saure, nur um der Säure Willen gebraute Schneeeule Weisse untergekommen. Für Einsteiger ist Inge vielleicht aber eher noch nichts, aber die werden durch die anderen Sorten sicher auf ihre Kosten kommen. Ohne Sirup versteht sich!

Ob Schneeeule nur Berliner Weisse kann? Nein, Porter geht auch! So hatte ich tatsächlich urplötzlich das sogenannte ‚Partyporter‘ in der Hand, welches auch bei der kommenden BraukunstLive ausgeschenkt wird. Und das schmeckt auch mit typischer Porter Aromatik, dunkel und braun im Glas, man darf auf das Partyhelle gespannt sein…

Schneeeule Berlin Partyporter
Schneeeule Berlin Partyporter

Otto gab es auch noch, gebraut mit Holunder und der ist, gemeinsam mit Zitrusaromen auch mein Eindruck im Geruch, spritzig ist er im Antrunk mit ebenfalls Zitrus, Holunder, etwas Apfel und allgemein fruchtig-floralen Noten. Die Säure ist eher als mild einzustufen und so lässt sich damit sicher auch ein ganzer Berliner Weisse Abend bestreiten. Gut an den meisten ihrer Weisse-Kreationen finden wir beide ohnehin , dass man auch mal eine mehr trinken kann, bei 3 Prozent ein leichtes Vergnügen.

Schneeeule Berlin Otto
Schneeeule Berlin Otto
Fazit meines Besuchs bei Schneeeule Berlin

Allesamt sind die Biere spannend, schmackhaft, teilweise komplex aber immer gut trinkbar. Herausheben muss ich aber unbedingt, dass man spürt wie sehr Ulrikes Herz darin steckt. Hier wird mit Liebe zum Detail gebraut, sie trägt das Herz auch auf der Zunge und so vergingen auch 4 Stunden Hilfstätigkeit in der Brauerei wie im Fluge.

Ulrike Genz und ich beim GesundBrewing Event im Castle Berlin
Ulrike Genz und ich beim GesundBrewing Event im Castle Berlin

Mitnehmen durfte ich neben leichtem Muskelkater, einem schönen Gespräch und vielen interessanten Anekdoten auch ein paar Fläschchen Bier und das schicke original Glas dazu. Ein rundum gelungener Abend bei Schneeeule Berlin!

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Von Berlin nach Nürnberg, die Schneeeule ist da!

Berlin, Berlin, wann kommt man aus Nürnberg denn mal nach Berlin? Wie gut, dass die Schneeeule flügge geworden und hinaus in die weite Bierwelt geflogen ist.

Probieren konnte ich 3 der Berliner Weisse Biere im Kater Murr in Nürnberg. Die Biere allesamt sind unter Verwendung von Brettanomyces-Hefe in Flaschengärung gereift und wurden durch Brauerin Ulrike Genz persönlich ins Frankenland gebracht.

Aber lange Rede, kurzer Sinn, hier kommt meine kleine Verkostungsschau…

Schneeeule Berlin – Yasmin

Bierstil: Bier nach Berliner Weisse – Art

Zutaten: Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Jasminblüten, Saccaromyces, Brettanomyces, Lactobacillen, Saccarose

Alkoholgehalt: 3 % vol.

IBU: 5

Beschreibung des Bieres:

Die Farbe des Bieres ähnelt für mich hellem Bernstein, es hat eine natürliche Trübung im Glas und eine dichte, feinporige und weiße Schaumkrone tront über allem, ganz wie die Flügel der Schneeeule auf dem schönen roten Etikett.

In der Nase erreichen mich fruchtige Noten, dazu Zitrusfrucht, eine feine (Milch-)Säure und das ganze gepaart mit floralen Noten, welche die Jasminblüten mit sich bringen.

Der Antrunk ist leicht säuerlich, jedoch überwiegen die fruchtigen Aromen und ergeben ein harmonisches Zusammenspiel welches sich angenehm mit den floralen Eindrücken auf der Zunge ergänzt. Es prickelt erfrischend spritzig auf der Zunge.

Der Nachtrunk wird noch einen kleinen Deut saurer, ohne zu übertreiben. Die fruchtigen und floralen Aromen bilden ein harmonisches Gesamtbild und runden den Genuss ab. Klasse!

 

Schneeule Berlin – Kennedy

Bierstil: Bier nach Berliner Weisse – Art

Zutaten: Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, amerikanischer Hopfen (Summit), Saccaromyces, Lactobacillus, Brettanomyces

Alkoholgehalt: 3 % vol.

IBU: 15

Beschreibung des Bieres:

Das nächste Bier im Glas war das Kennedy, es präsentiert sich strahlend goldgelb, mit feinporigem, instabilem Schaum und einer natürlichen Trübung.

Der Geruch ist mit zitrusfruchtig (Zitrone & Grapefruit), einer in die Gattung der Berliner Weisse passenden feinsäuerlichen Note sowie einer leichten Hefenote zu beschreiben.

Im Antrunk ist der gute Kennedy fruchtig mit fein eingebunder Milchsäure, schön ausbalanciert mit einer angenehm unterschwelligen Bitternote des Hopfens.

Der Abgang hat für mich einen gewissen Touch von Koriander sowie der feinen Sauernote, welche sich auch hier leicht ansteigend präsentiert.  Ein gelungenes Bier mit dem gewissen Etwas.

 

Schneeeule Berlin und Braukunst Gebr. Wiestner – BrettyLup

Bierstil: Barrel-aged bretted sour IPA

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefen, Milchsäurebakterien, Saccarose

Alkoholgehalt: 6,5 % vol.

IBU: o/a

Beschreibung des Bieres:

Last but not least kommen wir zu einer Kollaboration von Schneeeule und der Braukunst Gebr. Wiestner, einem Cuvee aus LuckyLup von der Braukunst und einem speziell dafür ausgewählten Schneeeule Sauerbier, für 6 Monate im Chardonnay Weißweinfass gelagert und handbeschriftet.

Das Bier ist bernsteinfarben und hat einen feinporigen, weißen und stabilen Schaum. Der Geruch ist dann eine tropische Fruchtbombe mit Noten von Zitrus, Melone, Mandarine, Orange und wirkt in der Nase schon mal so gar nicht sauer.

Im Antrunk erlebe ich dann wiederum doch die Säure der Berliner Weisse, die fruchtig daher kommt und durch verschiedenste Fruchtaromen tatkräftige Unterstützung erfährt… so nehme ich Zitrusfrucht, leichte Nuancen von Grapefruit und Wassermelone wahr.

Das Geschmacksbild ergänzt wird durch eine leichte Milchsäure, welche im Abgang ein Zusammenspiel mit den fruchtigen Aromen erfährt.

Das handgeschriebene Etikett verleiht dem ganzen dann noch einen besonderen Charme, eine spannende Zusammenarbeit mit einem tollen Bier als Resultat!

 

Cheers und bis bald!

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